Attack on Titan: Hütte Nr. 7 (Fanfic)

      Attack on Titan: Hütte Nr. 7 (Fanfic)

      Kapitel 1: Von Problemkindern und bösen Zwillingen:

      "Boah, ich geh jetzt!" knurrte ich wütend und verließ die Hütte mit zugeknallter Tür.
      "Ich habe die Schnauze von euch voll! Müsste ihr schon am ersten Tag mir auf
      dem Keks gehen? Ich fasse es nicht!" Vollkommen wutverbrannt, entfernte
      ich mich von meiner Hütte.
      "Wieso muss ausgerechnet ich mit den Flaschen hier, zusammen wohnen?" nörgelte
      ich. "Da teile ich lieber mit dem Ausbilder ein Zimmer!"
      "Naja, seis drum! Kann man eben nichts machen, ich muss mich zusammenreißen und darf die Disziplin nicht verlieren!"
      Ichentfernte mich ein Stück vom Trainingslager, um keine weiteren Probleme
      mehr zu verursachen. Und um keinen Anpfiff wegen Ruhestörung kassieren muss. Heute Nachmittag wurden wir Rekruten von den Ausbildern empfangen und wurden dann "begrüßt". Die Begrüßung lief aber alles Andere als herzlich ab. Nein, wir wurden regelrecht angebrüllt, beschimpft und beleidigt. Obwohles vor unserer Ankunft hieß, dass die Trainer und Ausbilder sehr nett seien und um uns kümmern würden. Später wurden die Zimmer zugeteilt: Manlebt mit insgesamt sechs Leuten in einer Hütte und geht sich
      gegenseitig auf die Nerven.
      Der Haken an der Sache: Nachts ist es immer zu kalt, um draußen zu schlafen. Denn schon am ersten Tag hing der Haussegen schief.Grundlos fingen Streitereien an. Wegen Kleinigkeiten wurde die Mücke zum Elefanten gemacht und immer war ich an allem Schuld.Immer wenn etwas verlegt wurde und niemand es finden konnte. Dann kam:
      "Elisabeth!", wenn etwas kaputt gegangen ist: "Elisabeth!". Wenn jemand schlechte Laune hatte: "Elisabeth!"
      Hoffentlichbekomme ich bald ein Einzelzimmer, sonst dreh ich noch durch! Dachte ich mir und kickte einen kleinen Felsbrocken vor mir herum, um mich schnell zu beruhigen. Eigentlich sollte ich langsam wieder zurückkehren,um nicht das Abendessen zu verpassen. Doch momentan habe ich den Nerv nicht dazu, um irgendwelche dämlichen Konversationen mit Vollidioten zu führen, deswegen beschloss ich das Abendessen ausfallen zu lassen und mich mit knurrenden Magen zu Bett begebe. Außerdem kann ich notfalls was aus den Vorratskisten klauen, wenn es nötig ist. Es kam nicht selten vor, dass ich auf Nahrung verzichtet habe. In meiner Vergangenheit kam es öfters mal vor, dass eine Hungersnot ausbrach und selbst das Futter für die Pferde knapp wurde. Meine Eltern betrieben damals einen kleinen Bauernhof, wo wir Pferde gezüchtet haben.
      Meine Eltern waren für die Futterbeschaffung und für die Arbeitsabläufe im Haushalt zuständig. Und ich hatte die Aufgabe mich um die Pferde zu kümmern. Ich bildete die Pferde aus, putzte sie und mistete den Stall aus. Ich liebte es zu reiten. Aber zwischendurch machte ich auch ein paar akrobatische Einlagen, um im Tal Geld zu verdienen. Später (bevor
      ich in dieses Lager verfrachtet wurde) lernte ich noch Figuren und Elemente mit Reifen, Seil und Ball um diese Leidenschaft zu erweitern.
      Ichbewegte mich immer zum Rythmus der Musik und führte Kunststücke auf. Mein damaliges Motto hätte lauten können: Morgens Stall, abends Manege.
      DieKälte riss mich aus meinen Gedanken und wühlte die Realität auf.
      Seufzend sank ich auf die Knie und spürte wie sich die Kieselsteine in meine Haut bohrten.
      "Spüreden Schmerz! Spüre die Schuld!" höre ich meinen Ausbilder in meinem Kopf brüllen, der mir heute Nachmittag wegen meinem Verhalten eine Ohrfeige verpasst hat. Ich fühle teilweise immernoch auf meiner rechten Gesichtshälfte den Schlag von ihm.
      "Senke deinen Kopf und trete in die letzte Reihe!" befahl er mir am Ende, bevor er sich an den nächsten Rekruten widmete.
      Mist,wieso konnte er mich nicht einfach sturr geradeaus glotzen lassen? Manche Neuankömmlinge hat er von seinen Beleidigungen verschont und michmusste er voll fertig machen und mich vor allen Anderen blamieren.
      Ichüberlegte die ganze Zeit, was ich falsch gemacht haben könnte. War meinBlick nicht starr genug? Habe ich zu laut geatmet? Oder sind meine Haare einfach nur zu lang? Ich fuhr mit meinen Händen durch meine langen, blonden Haaren. Nie im Leben würde ich einen Gedanken daran verschwenden, sie abzuschneiden. Da kann man mir hundertmal sagen, dass
      ich ein hübsches Gesicht hätte und wunderschöne blaue Augen hätte und mir ein Kurzhaarschnitt sicherlich gut stehen würde. Nein heißt einfach Nein.
      Mein Körper zitterte vor Kälte, obwohl ich einen Pullover und eine lange Hosetrug. Der Wind wehte durch meine Haare und fuhr in meine Kleidung hinein, was mein Zittern nur noch mehr verstärkte. Ich legte mich auf dem Kiessand und blickte zum Himmel. Dunkle, graue Wolken bedeckten den Himmel und umhüllten fast den Mond. Heute war Vollmond. Letzten Monat, wo ich den Himmel ebenfalls betrachtet habe. Da war ich gerade von einemAbendausritt zurückgekehrt. Nur war es im Gegensatz zu heute eine
      sternenklare Nacht gewesen. Und ich war nicht in so nem dämlichen Lager
      verfrachter worden.
      Ichschloss meine Augen, um weiter in Erinnerungen zu schwelgen, doch dann fing es zu tröpfeln an und somit holte die Wirklichkeit mich wieder ein. Gereizt zog ich mir die Kapuze über meinem Kopf und quälte mich auf die Beine und bewegte mich schnell in Richtung Hütte.
      "Schnell, bevor die Anderen noch in die Hütte kommen und dir auf dem Keks gehen!" flüsterte ich mir zu und hetzte mich über den Appellplatz.
      "Oh Mann, ist das Abendessen nicht geil gewesen? Das war so super, galaktisch, abnormal geil!" kreischte eine Mädchenstimme.
      Ich zog mich noch in den Schatten zurück, bevor mich jemand noch bemerkte.
      "Was soll daran geil sein?" fragte eine weibliche Stimme genervt. "Das Essenwar einfach nur Kacke. Ich will mein Abendbuffet wieder. Und ich will nach Hause!"
      Schnellhuschte ich in meine Hütte,kletterte aufs Etagenbett und deckte mich mit der dünnen Decke zu. Ich durfte nichtmal meine Kuscheldecke mit ins Lager nehmen. Die Soldaten, die mich damals holten sagten einfach nur
      kalt und abfällig:"Du bekommst alles was du brauchst!"
      Dochnun liege ich mit zitternden Körper und nassen Haaren im Bett und lauschte den Regentropfen, die auf das Dach plätscherten. Ich genoß die angenehme Stille und schloss meine Augen.
      Obmeine Eltern mich auch so sehr vermissen? Was sie wohl machen? Schlafen? Arbeiten oder Kaffee trinken? Da ich nicht mehr bei ihnen seinkann und momentan nicht darf, konnte ich nur Vermutungen und Behauptungen über den Zustand und Situation meiner Eltern aufstellen.
      Ich zitterte mich in den Schlaf, mit der Hoffnung, dass meine Familie
      nicht von den Titanen gefressen wird und die harte Zeit durchstehen
      wird, wo ich leiden muss.
      Doch danach werde ich zurückkehren und am Hof weiterarbeiten.

      Am nächsten Morgen wurde ich von der Turmglocke aus dem Schlaf gerissen.
      Heute wird es ernst, denn wir müssen mit dem 3 D Manöver-Apparat
      trainieren. Aber in Gegensatz zu anderen Personen habe ich überhaupt gar keine Angst vor der Übung, denn ich besitze so etwas wie Körperspannung und habe schon selbst sowas in der Art bei Aufführungen angewendet. Also konnte ich da ohne Probleme zeigen was in mir steckt.
      Ich krabbelte aus dem Etagenbett und bemerkte auf schmerzhafter Weise, dass ich einen schweren Muskelkater habe. Von was hätte ich mir einen Muskelkater holen sollen? Vom Rumstehen und dumm wie Brot gucken? Oder bin doch so alt?
      Kopfschüttelndkämpfte ich mich auf die Beine und bewegte mich nach draußen. Kaum habe ich die Tür geöffnet und bin ins Freie getreten, schon machte sich ein Knurren im Bauch aufmerksam. Ich erblickte auf dem Weg andere Rekruten, die ebenfalls sich auf dem Weg machten.
      Man verbrachte die Essenszeiten immer gemeinsam in einer großen Hütte. Man nahm dort sein Essen und setzte sich auf einen freien Platz. Beim Betreten der Hütte musste ich feststellen, dass die vorderen Plätze bereits besetzt waren, aber das interessierte mich nicht. Denn ich bin sowieso nicht der Typ, der sich gerne zu Anderen gesellt. Sondern ich
      bin eher eine Einzelgängerin und genieße die Einsamkeit. Außerdem bin ich nicht hier um Freunde zu finden oder Soldatin zu werden, sondern weil meine Eltern mich gezwungen haben.
      Wirhatten die Qual der Wahl: Wurstsemmel, Käsebrötchen, Zeralien, Rühreier, Speck und Würstchen. ich entschied mich für die Wurstsemmel, füllte meinen Becher mit Tee und setzte mich in die letzte Reihe.
      Mmmmhhlecker, ich liebe Zitronentee! Das Einzige Positive an diesem Lager! War meine Feststellung gewesen, als ich von meinem Tee trank.
      Ichließ meinen Blick durch den Raum schweifen: Die meisten weiblichen Rekruten hatten kurze Haare, bis auf wenige Ausnahmen. Aber man musste schon sehr genau hinsehen, um die Langhaarigen zu erkennen. Denn ich war die Einzige von ihnen, die sie offen trug und sich nicht streng zurück steckte.
      "Guten Morgen, meine Freunde!" rief eine schrille, weibliche Stimme.
      Ichsah auf und erblickte ein Mädchen mit schrägem Aussehen: Ihre langen Haare waren auf einer Seite Blond und auf der Anderen dunkel gefärbt, die sie zu zwei komplizierten Zöpfen geflochten hatte.
      "Ich hab euch alle so lieb!" rief sie und bewegte sich durch den Raum. "Ich möchte euch alle liebkosen und mit euch kuscheln!"
      "Was labbert die da?" hörte ich es von den anderen Reihen tuscheln.
      Auch Sprüche wie: " Das ist doch eine entflohene Irre!" oder "Die hat doch ne Wette verloren!" ertönten von den Anderen.
      Doch die Kommentare prallten bei ihr ab, sie bewegt sich weiter durch den Raum und näherte sich der letzten Reihe.
      "Bitte setz dich nicht zu mir, bitte setz dich nicht zu mir, bitte setz dich nicht zu mir!" flüsterte ich, in Hoffnung, dass sie an mir vorbeigehen würde.
      Aber sie blieb vor mir stehen und so war die wundervolle Einsamkeit zerstört: "Dich hab ich gestern beim Abendessen gesehen. Nur da waren deine Haare zusammengebunden. Du siehst wirklich hübsch mit offenen Haaren aus!"
      Inzwischen starrte mich fast der ganze Raum an und warfen mir verwirrte Blicke zu.
      Wut entfaltete sich in mir und ich begann dieses Mädchen anzufahren: "Was fällt dir ein so eine Scheiße über mich zu erzählen? Bist du etwa vom Wickeltisch gefallen oder warum bist du so blöd?"
      Ich stand aprubt auf und verließ die Hütte, dreht mich aber ein allerletztes Mal zum Mädchen um und sprach: " Und übrigens: Ich war gestern nicht beim Abendessen. Ich hielt mich gestern von Flaschen wie du fern!"
      Ich lies sie mit den Worten in der Hütte zurück und verschwand schließlich.
      Ich war bereits in meiner Hütte angekommenund legte meine Uniform an, die jeweils aus einer weißen Hose, einem weißen Oberteil, einer hellbraunen Lederjacke und braunen Stiefeln bestand. Ich bereute den Vorfall beim Frühstück natürlich nicht.
      "Wieso sollte ich mich entschuldigen? Ich es doch garnicht nötig!" redete ich mir ein während ich mir die Stiefel anzog.
      Als hätte ich ein Gespür dafür, begann die Sirene zu läuten: Das Signal bedeuted soviel wie: Antreten. Ich rannte aus der Hütte und hetzte Richtung Appellplatz, wo sich bereits Rekruten aufgestellt hatten. Ich stellte mich in die letzte Reihe, wo mich am ersten Tag der Ausbilder aufgrund meines angeblichen losen Mundwerkes hinbeordert hatte.
      Als Vorsichtsmaßnahme beschloss ich, dass ich mich heute etwas mit meinem Senf zurückhalten werde. Um keine Strafe zu kassieren.
      Schließlichstanden nun alle Rekruten in Reihe und Glied da und starrten gebannt nach vorn. Der Ausbilder stand zum zweiten Mal vor uns.
      "Alleman hinhören, Rekruten. Heute wird entschieden, ob in euch Kämpfer oderTitanenfutter steckt!" brüllte er. Er deutete auf drei riesengroße Apparate, wo zwei Stahlseile hingen: "Nun wollen wir keine Zeit verschwenden und beginnen mal mit der Prüfung!"
      Er blickte wieder zu uns: "Hey du da!" brüllte er und deutete in die hinterste Reihe. "Du da mit dem losen Mundwerk!"
      Ich fühlte mich sofort angesprochen, da sonst niemand am vorherigen Tag so unverschämt war wie ich.
      "Genau du!" brüllte er, als er meine Reaktion bemerkt hatte. "Du wirst die Erste sein, die geprüft wird. Komm nach vorn!"
      Ichbefolgte den Befehl ohne Widerrede. Und trat nach vorn. Ich stellte mich unter einen der Apparate. Der Ausbilder nickte ein paar anderen Aufsehern zu, die mir nen Gurt anlegten und ihn an den zwei Seilen befestigten. Anschließend zogen sie mich in die Luft, sodass meine Füße nicht mehr den Boden berühren konnten.
      Nun hing ich in der Luft, ohne eine Miene zu verziehen. Dann begann ich
      Schwung zu holen und führte eine Spagat in der Luft aus.
      "Kann ich jetzt gehen?" fragte ich den Ausbilder mit gespielter Langeweile und lies meinen Körper an den Seilen hängen.
      "In dir steckt tatsächlich mehr, als ein loses Mundwerk. Ich bin beeindruckt. Doch du bist und bleibst ein Problemkind!" sagte er und starrte mich an.
      Er wendete sich an die Soldaten, die mir den Gurt angelegt hatten:" Holt sie da runter und lasst sie in ihre Hütte zurückkehren. Sie soll erstmalfroh sein, dass sie hierbleiben kann und nicht Titanenfutter wird!"
      DieAufseher befolgten ihren Befehlen. Rasch stand ich wieder mit beiden Beinen auf dem Boden und war nun von meinen Pflichten entbunden.
      Wieso tut er das? fragte ich mich leise im Kopf und wollte mich auf dem Weg machen. Doch ich hielt inne, als der Aufseher zu mir sprach: " Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen, um dein Verhalten ins Bessere zu lenken. Leider bist du da nicht die Einzige!"
      "Ich werde mir wohl was einfallen lassen müssen, um dein Verhalten ins Bessere zu lenken. Leider bist du da nicht die Einzige!" ertönte es in meinem Kopf.
      Ichsaß am Boden auf der Terasse und beobachtete das Geschehen auf dem Appellplatz. Zugegeben: Einige stellten sich garnicht mal so übel an. Doch einen Spagat in der Luft hat keiner hinbekommen. In bin nicht die Einzige? Pah, ich lasse mich wenigstens nicht rumschikanieren! Ich ließ meine Beine vom Terassengeländer baumeln, während ich ganz gebannnt den
      Anderen zuguckte.
      Hoffentlich haut es jemanden auf die Schnauze! Dachte ich mir mit einem herablassenden Grinsen. Ich bin nämlich schadenfroh.
      Wenn jemand nach meinem Humor fragte, dann antwortete ich immer: "Ich habe einen trockenen, schwarzen Humor!"
      Wo Viele sich die Stirn runzelten und wegguckten, brach ich immer in totales Gelächter aus.
      Obwohl das Frühstück gerademal zwei Stunden her ist, knurrte mir der Magen.

      Um ca. 11 Uhr fand die erste Zwischenmahlzeit statt. Obwohl ich mich bisher nicht wirklich ausgepowert habe, hatte ich einen Riesenhunger und Durst. Ich hetzte mich in die Hütte und nahm sofort Teller und Besteck an mich.
      Nach Ewigkeiten, die ich in der langen Warteschlange verbracht hatte und auch endlich mal drankam, musste ich leider feststellen, dass in den Getränkenboxen bis auf eine Menge Wasserflaschen, alles leer war. Ich blickte verärgert in die Boxen: "Das kann doch nicht wahr sein?! Selbst die Apfelschorle ist aus!"
      Ich warf noch einen letzten Blick in die dritte Box, die mit "Limonade" beschriftet war. Und tatsächlich eine einzige Flasche Zitronenlimonade war noch übrig.
      Rasch bückte ich mich und griff nach der Flasche: "Komm zu Mama!"
      Doch plötzlich hatte jemand ebenfalls nach der Flasche gegriffen und nun hielten wir die Limonade in unseren Händen.
      "Hey!" keifte ich. "Was soll das, das ist meins!"
      Ich sah der Person ins Gesicht und erblickte ein Mädchen. Mein erster Gedanke war: Oh mein Gott, mein böser Zwilling hat mich gefunden.
      Doch es war eben eine Person, die mir erschreckend ähnlich sah. Als wäre es mein Spiegelbild. Sie hatte ebenfalls blonde Haare und eine leicht buckelige Nase. Nur mit dem Unterschied, das ihre Haare zu einem strengen Dutt gebunden hatte. Das war halt der Unterschied. Wirklich dasEinzige was unser Äußeres unterscheidet.
      "Das ist meins!" brüllte ich und zerrte an der vollen Glasflasche. "Lass los, ich sagte: Lass los!"
      Inzwischen starrten mich fast Alle, die in diesem Raum war an. Viele hörten sogar das Essen auf, um das Geschehen genauer zu beobachten.
      "Nasuper, jetzt blamiere ich mich schon wieder!" fuhr ich sie an. "Und jetzt: Gib mir gefälligst die Flasche. Oder es wird dir Leid tun!"
      "Schon mal was von teilen gehört?" antwortete das Mädchen zum ersten Mal mit herablassender Stimme.
      Ich lachte auf: "Mädchen, du spielst mit deinem Leben!" Ich wollte mit dem rechten Bein ausholen, um ihr einen Tritt zu verpassen. Doch dann...
      War ich diejenige gewesen, die getreten wurde und mit schmerzenden Knie zu Boden fiel.
      Als ob das nicht schon schlimm genur war, kam genau in diesem Moment eine Aufseherin herein und hat dieses Ereignis mit eigenen Augen gesehen.
      Ihre langen braunen Haare waren zu einem Zopf geflochten und sie trug
      eine Brille. Sie trug wie alle hier die Uniform, bloß dass sie statt
      einer Braunen, eine grüne Lederjacke trug.
      Sie kam auf mich zugestürmt, zerrte mich auf die Beine und drückte mich an
      die Wand.
      "Mitkommen!" war das Einzige was sie gesagt hatte, bevor sie
      mich dann aus der Hütte bugsierte.

      So Leute, das wars schon mit dem ersten Kapitel, ich möchte mich für Rechtschreibfehler entschuldigen (Fehler werden überarbeitet) ^^ :) ^^
      Kapitel 2: Ein Spitzname für Elisabeth

      "Hey, du da!" brüllte der Ausbilder und kam auf mich zu. "Wer bist du?"
      "Elisabeth Pechstein!" antwortete ich im harschem Ton und blickte ihn scharf an.
      "So so, die Elisabeth bist du also!" fuhr er brüllend fort. "Ist dir eigentlich aufgefallen, dass es gegenüber dem Ausbilder respektlos ist...!"
      "Stopp!" fuhr ich ihn an. "Nicht in diesem Ton!"
      "Oh, du bist ja eine ganz Mutige. Und ein loses Mundwerk hast du auch!" er packte mich an den Schultern. "Lass mal deinen Verstand durchchecken, wenn du überhaupt einen hast!"
      "Das soll mich also beeindrucken?" warf ich zurück. "Ich hasse Vollidioten wie sie, die den ganzen Tag nicht besseres zu tun haben, als Leute anzubrüllen. Ich nicht hier um Soldatin zu werden. Sondern weil meine Eltern mich gezwungen haben!"
      Er verpasste mir eine Ohrfeige: "Erzähl den Mist jemand anderes!"
      Ich lief rot an, während er fortfuhr: "Spüre den Schmerz, spüre die Schuld und nun senke deinen Kopf und ab in die letzte Reihe mit dir!"
      Mit hochrotem Kopf bewegte ich mich in die letzte Reihe und blieb dort erstmal ruhig.
      "Warum zum Teufel verfolgt mich ständig diese Erinnerung?" dachte ich mir. "Und warum erinnere ich mich ausgerechnet jetzt daran?"
      Es kam öfters vor, dass mich irgendwelche Gedanken, Dialoge und Erinnerungen heimsuchten. Meine Mutter sagte immer, dass die Phrasen oder Erinnerungen mich aus einer dummen Situation retten können. Doch inwiefern sollte mich dieser Erinnerungsfetzen vom Eingangsritus helfen? Soll ich etwa den Ausbilder wieder anbrüllen und eine Ohrfeige kassieren?

      Ich saß mit rasenden Herz vorm Ausbilder.
      Kurz nachdem Vorfall, wurde ich von der Aufseherin zum Ausbilder Shadis geschleppt.
      "Vestehe!" sagte er mit erstaunlich ruhiger Stimme. "Und sie hat damit angefangen und dich einfach zu Boden geschlagen?"
      "Ganz genau!" antwortete ich.
      "Das seh ich aber anders!" meldete sich die Aufseherin zu Wort. "Ich habe gerade den Raum betreten, als es passierte. Beide haben zwar gleichzeitig zur Flasche gefasst, aber den Konfilkt hat sie begonnen!"
      Sie deutete mit dem Finger auf mich: "Sie war diejenige, die damit angefangen hat. Die Andere hat sich nur gewehrt!"
      "Ich verstehe!" kommentierte Shadis die Situation. "Wieso überrrascht es mich nicht? Immer nur Ärger!"
      "Wenn ich schon so nervig bin, warum schicken sie mich dann nicht nach Hause?" fuhr ich ihn an. "Ist eh besser, als in diesem dämlichen Lager zu sein?"
      "Glaub mir!" antwortete er. "Das möchtest du nicht!"
      Mir platzte endgültig der Kragen: "Was redest du da? Natürlich möchte ich nach Hause. Ich bin nicht freiwillig hier, schon vergessen?"
      "Nein, das habe ich nicht vergessen!" antwortete er. "Und ich erinnere mich noch ganz genau daran!"
      "Aber wenn wir Ausbilder dich noch einmal beim Prügeln erwischen!" fuhr er brüllend fort. "Dann werden wir dich windelweich prügeln, haben wir uns verstanden?"
      "Ja!" antwortete ich kleinlaut.
      Er beendete das Gespräch mit einem rauem Befehl namens "Wegtreten" und schlagartig bin ich vom Stuhl aufgesprungen und bin nach draußen geeilt.
      "Puh, das war knapp. Zum Glück hat er mir keinen Reinigungsdienst oder Sonstiges aufgebrummt. Da hatte ich echt großes Glück!"
      Ich überquerte den Apellplatz, wo immernoch die riesigen Apparate standen. Rekruten, die die Prüfung heute nicht bestanden haben. Hatten die Möglichkeit die Prüfung am darauffolgenden Tag zu wiederholen. Viele von ihnen investierten den freien Tag, um für die Nachprüfung zu üben.
      Unter den viele Rekruten, die wie Versager an den Seilen hangen wie depressive Fische., fiel mir jemand ganz Besonderes ins Auge. Ein Mädchen, das ein langes, ausgewaschenes graues Kleid mit pinke Streifen trug.
      "Mist!" fluchte es. "Wieso hab ich mich auf sowas hier eingelassen. Meine Klamotten werden dreckig, es sind einfach weit und breit keine hübschen Boutiquen zu sehen und mein Make up zerläuft ständig. Was für ein Kaff ist das denn hier? Hier kann man nicht mal vernünftig essen und trinken!"
      Während sie fluchte, zappelte sie unruhig herum.
      Ich konnte mir den Kommentar nicht verkneifen. "Kein Wunder! Sowas wie Körperspannung besitzt du ja nicht. Aber kiloweise Schminke im Gesicht schon! Hmm, finde den Fehler!"
      "Pah!" antwortete sie mit herablassenden Grinsen. "Ich hab noch nie so einen Haufen von überheblicher Arroganz gesehen? Was bildest du dir eigentlich ein?"
      "Das sagt genau die Richtige!" antwortete ich. "Ich habe es im Gegensatz zu dir garnicht nötig mir das Gesicht mit Make up vollzukloppen und mich in solche tussige Kleider zu werfen!"
      "Meine Kleider sind viel schöner als dein Gesicht!" warf sie zurück.
      Sie fasste sich an ihre hochgesteckten braunen Haaren: "Och nöö, meine Haare sind vollkommen verschwitzt und das alles wegen dir. Du musst immer das Leben von anderen Leute zur Hölle machen oder? Zuerst der Ausbilder, dann das Mädchen mit den zwei Haarfarben dann deine Zwillingsschwester und zu guter Letzt bin ich wohl an der Reihe!"
      "Sie ist nicht meine Zwillingsschwester!" fuhr ich sie an.
      Ich machte mit der Hand eine wegwerfende Bewegung: "Was solls, ich habe keine Lust mich mit so jemanden idiotischen herumzustreiten. Nicht in dieser verschissenen und beknackten Welt!"
      Mit diesen Worten ließ ich sie allein und bewegte mich in Richtung Speiseraum, wo bald das Mittagessen stattfinden soll.

      Später beim Essen:

      Ich saß am Tisch und las meine früheren Tagebucheinträge durch.
      Mein Tagebuch ist das Einzigste gewesen, dass ich von zu Hause mitnehmen konnte. Doch im Lager verfasse ich keinen einzigen Eintrag, denn ich schrieb nur positives in mein Tagebuch.
      "Dürfen wir uns dazu setzen?" fragte eine Stimme.
      Ich sah auf und erblickte zwei Mädchen: Die Eine hatte kurze braune Haare und Sommersprossen im Gesicht. Die Andere war um einiges kleiner, hatte lange blonde Haare und ein kindliches Gesicht.
      "Wenn`s sein muss!" antwortete ich genervt und schob mir eine Gabel vom Gemüsereis in den Mund.
      "Ich hoffe!" begann die Braunhaarige. "Dass du diesmal nicht mit Anderen prügeln musstest, um an die Limonade zu kommen!"
      Genervt runzelte ich die Stirn: "Ich trinke gerade Apfelschorle!"
      "Echt krass, dass du dich mit Annie anlegst!" setzte sie fort. "Da muss man echt Mut haben!"
      "Ihr seht wirklich identisch aus!" meldete sich die Andere zu Wort. "Als wäre sie ein Spiegelbild von dir!"
      Genervt rollte ich mit den Augen: "Ach ja, Ist mir garnicht aufgefallen. Danke für die Info!"
      "Ich bin übrigens Ymir!" stellte sich die Braunhaarige vor.
      "Und das ist Krista!" fügte sie hinzu und deutete auf die Andere.
      "Ich bin Elisabeth!" stellte ich mich schlicht vor und trank von meiner Apfelschorle.
      "Annie, heißt sie also!" dachte ich mir. "Meine Doppelgängerin heißt also Annie. Puh, zum Glück heiß ich Elisabeth. Wenigstens macht mein Name einen Riesenunterschied, weil er mal zur Abwechselung mal einen komplett unterschiedlicher Klang hat!"
      "Aber wir dürfen dich ruhig Ellie nennen oder?" fragte mich Krista mit einem Lächeln. Ich wollte mit einem klaren Nein antworten, aber da ich ihrem süßen und unschuldigen Lächeln nicht widerstehen konnte antwortete ich stattdessen: "Wenn es unbedingt sein muss!"
      "Gut dann ist es ja entschieden, wir nennen dich in Zukunft Ellie!" antwortete sie mit einem Lächeln und ihre Wangen erröteten leicht.
      Na super: Annie und Ellie!!!! Warum nennt sie mich nicht gleich Annie Nr. 2
      Ich hasse den Tag, das Leben, das Lager, die Welt, meinen neuen Spitznamen, Krista, überschminkte Tussen, cholerische Ausbilder und ICH HASSE ANNIE!!!!!!

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      So Leute, Leider ist das Kapitel sehr kurz ausgefallen.
      Ich hoffe aber trotzdem, dass es euch gefallen hat und hinterlasst eine Review zu der Story :)
      Bis dahin eure Ellie (Oh Gott, wie ich diesen Spitznamen hasse ) XDDD
      Kapitel 3: Die Nerven liegen blank:

      "Ist sie mit euch in einem Zimmer?" fragte ich Ymir neugierig.
      "Wer!" erwiederte sie mit einem fragenden Blick.
      "Annie!" antwortete ich.
      "Jap, wir teilen uns ein Zimmer mit Annie, Sasha, Mina und Joan ein Zimmer!" erzählte Ymir.
      Ich fragte schließlich: "Und? Geht euch Annie auch voll auf den Keks?"
      Ymir runzelte leicht die Stirn, während sie antwortete: "Nein, das nicht. Sie ist eher ruhig...zu ruhig!"
      "Sie wechselt kaum ein Wort mit jemanden. Sie ist total in sich gekehrt. Als wir eingeteilt waren, haben wir uns gegenseitig vorgestellt und etwas geplaudert. Ich habe nichts wenn man ruhig ist, ich bin auch ein ruhiger Mensch, aber Annie hat nur kurz gesagt...!"
      Ymir unterbrach Krista und ahmte Annies emotionsloses Getue nach: "Ich bin Annie!"
      Sie wendete sich lächelnd zu Krista: "So, jetzt kannst du weiterreden!"
      Krista brachte ihren Satz zu Ende: "Und dann ist sie aufgestanden und ist gegangen. Sie scheint so, als wäre sie von uns allen genervt!"
      "Wenn man vom Teufel spricht!" kommentierte ich, als ich Annie den Raum betreten sah.
      Nun drehten sich auch Ymir und Krista um und erblickten sie ebenfalls. Sie trug ihre Haare immernoch streng nach oben gesteckt und ihr desinteressierter-gelangweilter-leicht arroganter Blick schweifte durch den Raum. Anscheinend suchte sie nach einem freien Platz. Doch da sie als Letzte zum Mittagessen aufkreuzte, waren fast alle Plätze belegt.
      Sie griff nach einem Teller und lud sich Essen auf, was genau sie auf dem Teller legte, wusste ich nicht. Und ich wollte sie auch nicht die ganze Zeit anstarren. Trotzdem konnte ich nicht aufhören sie zu beobachten.
      Warum passierte mir wieder soetwas? Ich hatte allmählich das Gefühl, als wolle mein Leben mich verarschen. Als wäre es nicht schon doof genug hier zu sein, muss es auch noch eine Person geben, die genauso aussieht wie ich. Natürlich sollte man nicht Personen nach deren Aussehen beurteilen...Meine Mum hätte bei dieser Situation gesagt: "Nur weil sie von außen einen gelangweilten und arroganten Eindruck macht, heißt das nicht, dass sie auch in Wirklichkeit so ist. Freunde dich mit ihr ein wenig an und du wirst sehen, dass sie ganz anders ist!"
      Mich mit ihr anfreunden? Ich bin doch nicht bekloppt! Und warum sollte ich auf Muttis Ratschläge hören? Sie ist nämlich nicht hier! Ich habe zwar versprochen, dass ich keine Person verurteile und benachteilige, aber momentan ist es mir egal! Annie ist da eine Ausnahme: Ich verurteile und benachteilige sie, das gebe ich auch ganz offen und ehrlich zu. Wenn jemand mich kopiert oder mein Aussehen klaut, dann schicke ich ihm die Krätze an den Hals. Thema durch.
      Inzwischen streifte Annie durch den Raum, in Hoffnung, dass eine Bank frei wurde, sie sich hinsetzen und die Einsamkeit genießen konnte. Als sie an den vorderen Reihen vorbeiging, wurde sie von zwei Jungs angesprochen: Von einem Blondhaarigen und einem Dunkelhaarigen. Sie machten einen sehr netten Eindruck. Anscheinend wollten sie ihr einen Platz anbieten, doch Annie verdrehte nur die Augen und bewegte sich langsam Richtung Ausgang zu.
      Ymir rief ganz laut: "Hey Annie! Setz dich doch zu uns!"
      "Was soll das?" schnauzte ich sie an.
      Annie sah uns nur desinteressiert an und verschwand schließlich nach draußen.
      "Was sollte das werden?" meckerte ich Ymir weiter an.
      Doch sie antwortete ganz ruhig und gelassen: "Ich wusste, dass sie sich nicht zu uns setzen wird. Und schon garnicht, wenn du bei uns sitzt!"
      "Wenn sie das nämlich getan hätte, dann wäre sie diesmal diejenige gewesen, die zu Boden geschlagen wird!" antwortete ich mit drohender Stimme.
      "Glaub mir!" begann Ymir. "Mit ihr sollte man sich lieber nicht anlegen!"
      "Zum Glück ist sie ja gegangen!" seufzte ich erleichtert. "Und? Gibt es sonst noch jemanden worüber wir ablästern können?"
      Kristas Miene verfinsterte sich: "Über seine Kameraden abzulästern geht überhaupt nicht!"
      Ich lachte laut auf: "Du brauchst mir doch nicht erzählen, dass ihr Annie als Kameradin seht. Gerade vorhin habt ihr euch noch beschwert, dass sie sich nicht mal richtig vorgestellt hat!"
      "Sie ist halt zurückhaltend" begann Ymir. "Aber lieber einsamer Wolf als Kameradenschwein. Man sollte Andere respektieren und nicht über sie herziehen!"
      Ich stand abrupt auf: "Ich versteh euch nicht!" und eilte nach draußen.

      Mich als Kameradenschwein zu betrachten!! Was fällt denen ein? Was für eine Unverschämtheit!
      "Aber wieso?" fragte ein Mädchen.
      "Das braucht dich doch nicht zu interessieren, warum ich lieber allein essen möchte!" hörte ich gerade Annie sagen. Sie drehte sich wieder um und machte sich wieder auf dem Weg.
      "Oke, dann halt nicht!" seufzte das Mädchen genervt, drehte sich in meine Richtung.
      Unsere Blicke traffen aufeinander: Sie hatte lange, schwarze Haare, die sie offen trug und ihre eisblauen Augen schmeichelten ihre helle Haut.
      Sie wirkte auf den ersten Moment leicht verwirrt. Da mein Gesicht leider ihrer entflohenen Gesprächspartnerin gleicht.
      "Nein, ich bin nicht Annie. Mein Name ist Elisabeth!" stellte ich mich vor.
      "Ich bin Joan" sagte sie mit freundlicher Stimme und gab mir höflich die Hand.
      Ich sprach sie an: "Siehst du sie als Kameradin?"
      Ihr Blick wurde noch verwirrter: "Wer?"
      Ich deutete mit dem Finger zu Annies Richtung: "Na, die da!"
      Joans verwirrtte Miene löste sich: "Achso, du meinst wohl Annie!"
      Ich verdrehte die Augen: "Natürlich wen denn sonst?"
      Mein Blick wanderte zu Annie, die mittlerweile innehielt und zu uns hersah.
      Ich sprach mit übertrieben lauter Stimme: "Findest du nicht auch, dass sie sich ganz schön daneben benimmt!"
      "Naja..!" begann Joan unsicher.
      "Das sagst gerade du!" unterbrach Annie sie und kam mit drohender Haltung auf uns zu.
      "Ich habe nicht mit dir geredet, also zieh Leine!" fuhr ich sie an.
      Doch sie kam weiter auf uns zu, ihr Blick wandelte sich von neutral zu wütend um.
      Ich drohte ihr: " Kein Schritt näher oder es wird dir Leid tun!"
      Joan hatte sich inzwischen wieder gefangen und zerrte an meinem Arm rum: "Ähm, du solltest sie nicht provozieren...das könnte sonst...!"
      "Halt doch mal die Klappe!" schnauzte ich sie an.
      Annie stand nun dicht vor mir, sodass ich direkt in ihr Gesicht sah. Es ist ziemlich erschreckend und gleichzeitig ganz schön umheimlich in das Gesicht einer Doppelgängerin zu schauen.
      Am liebsten hätte ich sie mit Fragen überhäuft: Was machst du hier? Warum hast du mein Aussehen kopiert? Was willst du hier?
      "Was ist eigentlich dein Problem?" fragte ich durch zusammengebissenen Zähnen.
      Aber ich bekam keine Antwort von ihr, nur ein eiskalter Blick bekam ich zugeworfen.
      Ich fühlte mich durch das nur noch mehr provoziert: "Antworte gefälligst!"
      Annie ließ sich mit ihrer Antwort etwas Zeit, sie ballte ihre Hände zur Fäusten und antwortete schließlich mit einem dunklen und eiskalten Ton in ihrer Stimme. Der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ: "Und du stellst dich immernoch gegen mich, obwohl ich dir haushoch überlegen bin!"
      Ich lächelte herablassend: "Das soll mir Angst machen, dass ich nicht lache!"
      "Hört auf und zwar Beide, es bringt doch nichts wenn man sich gegenseitig kloppt. Bitte lasst den Unsinn!" schnauzte Joan uns an.
      Ich wendete mich zu Joan: "Wieso? Sie ist ja auf mich zugerannt, warum soll ich dann aufhören?"
      Ich blickte wütend zu Annie: "Wehe du wagst es mich anzufassen, dann kannst du was erleben!"

      Annie stellte sich in drohender Haltung auf und bewegte sich langsam auf mich zu. Diesmal bist du diejenige, die auf dem Boden liegt, das schwör ich! dachte ich mir siegessicher und näherte sich ihr.
      "Aufhören!" brüllte eine weibliche Stimme. "Sagt mal: Was ist mit euch allen hier los? Von einer Prügellei in die Andere!"
      Eine Aufseherin stand zwischen uns. Und ausgerechnet die Aufseherin, die mich in der Zwischenmahlzeit mich zu Shadis geschleppt hatte.
      Joan rannte zu ihr, wollte ihr alles erklären, doch die Ausbilderin antwortete nur mit: "Mitkommen, aber alle Drei!"
      Wir wurden von ihr Richtung Ausbilderhütte eskortiert.
      Na super! dachte ich mir, warum musste die doofe Nuss auf mich zurennen? Ich blickte hinüber zu Annie, die mittlerweile wieder ihre ausdruckslose Miene aufsetzte und an Apfelringen rumkaute.
      Stimmt! fiel mir ein: Sie hat sich ja beim Mittagessen Apfelringe mitgenommen. Ohne Vorwarnung klaute ich einen von ihrem Teller, bekam einen genervten Blick von ihr zugeworfen und schiebte ihn mir in den Mund.
      Ich hasste zwar Süßspeisen, aber zu diesem Zeitpunkt war es mir egal. Hauptsache ich konnte ihr noch ein bisschen ärgern.
      Wir betraten die Hütte, wo wir Keith Shadis und zwei andere Rekrutinnen auf dem Tisch saßen. Die Mädchen waren mir nicht unbekannnt. Ich bin denen sogar einmal begegnet.
      Es war Schminktussi und die Verrückte mit den zwei Haarfarben. Sie waren von blauen Flecken und Kratzern übersät. Na sieh mal einer an, Schminktussi musste sich mit der Verrückten prügeln! Ein Lächeln breitete sich in meinem Gesicht aus.
      Shadis war bei unserem Anblick nicht überrascht gewesen: "Schon weider die Zwei? Das darf doch nicht wahr sein!"
      Mit hochrotem Kopf wandte er sich mich zu: "Sag mir, dass das ein Scherz ist!"
      "Nö, das sehen sie ja, dass es kein Scherz ist!"
      Er wandte sich von mir ab: " So, so!" er blickte zur Ausbilderin. "Was haben die Zwei da schon wieder angestellt?"
      Sie seufzte: "Prügeln wollten sie sich!"
      "Wollten?" fragte Shadis ungläubig.
      "Ja, aber es ist noch nichts passiert, keiner hat zugeschlagen!" antwortete sie.
      Ich unterbrach das Gespräch der Beiden und sprach Shadis an: "Da, sie haben es gehört. Es ist nichts passiert. Wir gehen jetzt ganz friedlich nach draußen, knutschen uns ab und dann sind wir quitt!"
      Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Annie mir einen bissigen Blick zuwarf.
      "Was ist?" fragte ich auf ihren Blick. Ich blickte wieder zu Shadis. "Also können wir jetzt endlich gehen?"
      "Als ob irgendein Mensch dich jemals abknutschen möchte!" meldete sich die Schminktussi von vorhin zu Wort.
      "Ach, halt doch den Mund, Prinzessin. Mit dir hat keiner geredet!" fuhr ich sie an.
      "Das war nur eine Feststellung!" gab sie zurück. "Wer will denn so eine arrogante Nase küssen?"
      Die Ausbilderin machte ihr einen Strich durch die Rechnung: "Julia, es reicht. Du bist kein Stück besser!"
      Danach folgte eine kurze Stille, die aber schon nach Sekunden wieder zusammenbrach. Weil die Verrückte aus unbekannten Gründen in Gelächter ausbrach.
      "Was lachst du denn schon wieder so blöd!" fragte ich sie genervt.
      "Irgendwie habt ihr Beide damit recht!" antwortete sie mit einem breiten Grinsen.
      "Ach, sei doch leise!" knurrte Julia und wendete sich an die Aufseherin. "Siehst du und genau aus diesem Grund habe ich sie mit Steinen beworfen. Ist echt nicht mehr auszuhalten mit der!"
      Das Mädchen mit den zwei Haarfarben verzog ihren Mund zu einer Schnute: "Du Griesgram!"
      "Du..!" schrie Julia und wollte abrupt aufstehen.
      "Julia, das reicht jetzt. Ist ja noch schlimmer als im Kindergarten!" bremste die Aufseherin sie ein.
      Widerwillig setzte sie sich und blickte mürrisch durch die Gegend.
      Die Verrückte wendete sich an die Ausbilderin: "Verzeihen sie, aber darf ich Rekrutin Luna Winter sie etwas fragen?"
      "Ja!"
      "Sind sie eine Vertrauenslehrerin oder so? Du bist nämlich nicht so streng wie andere Ausbilder!" fragte Luna alias. Die Verrückte.
      Die Ausbilderin antwortete:" Ich bin Ausbilderin, Streitschlichterin, Vertrauenslehrkraft und eine Art Psychologin!"
      "Na und? Wen juckts?" kommentierte Julia.
      Shadis wendete sich an die Aufseherin: "Finja, es wäre besser wenn du mit deinen Kolleginnen die Sachen packt und Hütte Nr. 7 freiräumt!"
      Die Ausbilderin war überrascht: "Aber!"
      "Ihr Frauen könnt im Erdgeschoss schlafen!" antwortete der Ausbilder mit gefasster Stimme.
      "Was haben sie vor?" fragte Finja, noch verwirrter.
      "Ich werde die Mädchen in ein Zimmer verlegen!" sagte er.
      Mir platzte der Kragen: "Ist das ihr Ernst?"
      Shadis blickte uns streng an: "Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass wir euch nicht den Titanen zum Fraß vorwerfen, also seht das als letzte Chance. Morgen um punkt Neun zur Hütte Nr. 7 kommen!"
      "Na super!" zischte ich.
      "Noch Fragen!" kam es von Finja.
      Wir antworteten alle mit nein.
      "Gut ihr dürft gehen!" sagte Shadis und wir waren somit entlassen...
      Kapitel 4: Hütte Nr. 7:

      Am nächsten Tag war es soweit, nach dem Frühstück begab ich mich schließlich zur meiner Hütte und packte noch meine restlichen Sachen zusammen.
      Ein allerletztes Mal wanderte ich noch im Raum herum, um sicherzugehen, dass ich nichts vergaß.
      "Da muss ich mir wohl was einfallen lassen, um dein Verhalten ins Bessere zu lenken. Leider bist du nicht die Einzige!" hörte ich die Stimme vom Ausbilder in meinem Kopf.
      "Schließlich bin ich nicht hier, um Soldatin zu werden, sondern weil meine Eltern mich gezwungen haben!" redete ich mir ein. Ganz entschlossen packte ich meine restlichen Sachen und bewegte mich zur Hütte Nr. 7.
      Ich werde also mit Annie, Julia, Luna und der Schwarzhaarigen Joan in ein Zimmer verlegt. Ironie des Schicksals!
      In der Hütte angekommen, bekam ich erstmal einen strengen Blick von der Ausbilderin alias. Finja Sommer (Wie ich bald erfuhr) zugeworfen: "Sie sind zu spät Rekrutin Pechstein!"
      Ich legte mir ein Grinsen auf und blickte zu meinen neuen Zimmergenossinen: "Lieber spät, als garnicht!"
      "Also!" begann Finja. "Schön, dass ihr fast Alle pünktlich wart!"
      Beim"fast Alle", das sie mit Absicht stark betonte, blickte sie mich wieder streng an.
      Nach kurzer Pause setzte sie fort: "Also, ihr seid hier um euch zu bessern und nicht um Urlaub zu machen. Mehr dazu verrate ich jeden Einzelnen von euch in einem Einzelgespräch!"
      Mit diesen Worten wurden wir Fünf zurückgelassen. Für eine Weile standen wir wie angewurzelt nebeneinander und warfen uns verstohlene Blicke zu.
      Annie beendete diese Pause, indem sie ihre Sachen aufhob und sich zu einem der Etagenbetten bewegte, ihre Tasche auf das untere Bett legte und sie ausräumte.
      Nach kurzer Zeit waren die Bettbesitzer-Verhältnisse festgelegt: Annie schlief im ersten, unteren Etagebett. Ich schlief im Oberen über ihr.
      Julia schlief im zweiten Bett unten, Luna schlief oben und Joan schlief im Einzelbett.
      Ich ergriff als Erste das Wort: "Und? Aus welchen Gründen werdet ihr verlegt?"
      "Ich habe Schwierigkeiten mit Zusammenarbeit!" begann Annie mit stoischen Gesichtsausdruck.
      "Ich bin angeblich zu eigensinnig!" antwortete Julia mit einem arroganten Lächeln.
      "Ich bin viel zu laut, verrückt und viel zu eigenartig!" antwortete Luna fast kreischend.
      Ich wendete mich an Joan: "Und was ist mit dir?"
      "Ich habe freiwillig um die Verlegung gebeten, weil ich mit den Anderen nicht so gut zurechtkam. Und Annie ist die Einzige mit der ich mich gut verstehe!" sagte Joan.
      "Aha!" antwortete ich nur und blickte zwischen ihr und Annie hin und her.
      In Annies Gesicht zeichnete sich nichts ab: Keine Wut, keine Trauer und keine Freude oder andere Gefühle. Sie blickte zu Boden und widmete sich wieder dem Aufräumen.
      Ein Klopfen ertönte von der Tür.
      "Wer ist denn das schon wieder!" stöhnte Julia genervt und öffnete die Tür.
      Zwei Jungs ein großer Dunkelhaariger und ein großer Blondhaariger standen vor unserer Hütte.
      "Verzeihung, dass wir euch Mädels stören!" entschuldigte sich der Blonde und lies seinen Blick durch den Raum schweifen, er wendete sich an meine Doppelgängerin: "Annie, wir bräuchten dich mal kurz!"
      "Wozu braucht ihr Annie?" fragte ich gereizt.
      "Wir müssen reden!" antwortete der Dunkelhaarige.
      Julia umklammerte ihn: "Na du, ich bin Julia und wie heißt du?"
      "Ich...Ich...Ich bin Bertholdt!" stotterte er verwirrt und schüchtern.
      "Bertholdt?" fragte sie. "Irgendwie ein komischer Name, für einen so hübschen, jungen Mann!"
      "Da...Danke!" stotterte er.
      "Bertholdt!" mischte sich der Blonde ein: "Du hast jetzt keine Zeit für ein Date!"
      "Du hast Recht, Reiner!" antwortete er und befreite sich aus Julias Umklammerung.
      Annie ist inzwischen aus der Hütte gekommen und blickte Reiner erwartungsvoll an.
      "Also dann!" verabschiedete sich Reiner und blickte ein letztes Mal in unsere Hütte. "Keine Sorge, wir entführen sie nicht allzu lange!"
      Mit den Worten waren alle Drei verschwunden.
      Julia legte noch zum Abschied einen damenhaften Knicks hin: "Wir sehen uns dann, Bertholdt!"
      "Muss das sein?" fragte ich gereizt.
      "Und mal raten!" begann sie. "Du wurdest verlegt, weil du ein kleines Arschloch bist!"
      "Das sagst gerade du!" fuhr ich sie an und schubste sie in die Ecke. "In deiner Heimat, warst du bestimmt als Dorfflittchen bekannt. Das erklärt dann auch warum du dir kiloweise Make up ins Gesicht donnerst!"
      Luna unterbrach den Streit: "Hat jemand von euch vielleicht einen Grill? Denn jetzt kommt eine Menge Beef!"
      Ich ignorierte Lunas Kommentar: "Wenn man mich wie ein Arschloch behandelt, braucht sich nicht wundern wenn ich mich wie eins benehme!"
      Nun mischte sich auch Joan ein: "Schluss jetzt und zwar alle Zwei. Es bringt wirklich garnichts, sich jetzt die Köpfe einzuhauen. Wir haben alle ein Manko, an dem wir arbeiten müssen. Anstatt zu streiten sollten wir lieber daran arbeiten, wie wir uns bessern können und nicht wie wir am Besten in den Knast wandern oder zu Titanenfutter werden!"
      Wir hielten inne.
      "Na also!" sagte Joan. "Geht doch!"
      Joan wendete sich an Julia: "Musst du heute auch die Prüfung wiederholen oder irre ich mich?"
      "Ich muss sie wiederholen, weil ich verkackt habe!" antwortete Julia.
      "Ich habe zwar auch versagt!" begann Joan. "Aber ich kenne ein paar Tricks, die man anwenden kann!"
      "Möchtest du sie mir vielleicht verraten?" fragte Julia.
      Joan ließ sich mit ihrer Antwort Zeit, sie strich sich eine schwarze Haarsträhne hinter ihren Ohren und blickte sich im Raum um.
      Joan war mir von Anfang an sympathisch gewesen. Ich wusste zwar nicht warum, aber sie hatte etwas interessantes an sich. Eigentlich ist sie ruhig und redete nur sehr selten, aber wenn sie sprach, dann haten es ihre Worte in sich.
      "Gerne!" antwortete sie und stand von ihrem Bett auf.
      Sie verschwand mit Julia nach draußen und so kam es, dass ich mit Luna in der Hütte zurückblieb. Ich wühlte in meinen Sachen, fand einen Haargummi, ging zum Spiegel und band mir die Haar zu einem Dutt.
      Luna beobachtete mich von ihrem Bett aus: "Ich möchte zwar nichts sagen, aber mit einem Dutt siehst du Annie erst recht zum Verwechseln ähnlich. Es macht zwar keinen Unterschied, weil ihr sowieso euch vom Äußeren identisch gleicht, aber der Dutt verstärkt den Effekt nur noch mehr!"
      Ich zog mir den Haargummi aus dem Haar: "Danke für die Info!"

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      "Menno, wieso klappt das bei dir so gut und bei mir nicht!" jammerte Julia, als sie schon zum sechsten Mal scheiterte.
      "Versuch es nocheinmal!" schlug Joan ruhig vor.
      "Wie oft denn noch?" meckerte Julia. "Ich habe noch zwei Stunden und dann muss ich beweisen, dass ich als Soldatin geeignet bin!"
      "Hmm!" Joan überlegte und ging langsam hin und her: "Sag mal, was sind deine Gedanken während du da hängst?"
      "Hoffentlich ist es gleich vorbei!" antwortete Julia, während sie sich in eine aufrechte Haltung kämpfte.
      "Eben, das ist der Fehler!" bestätigte Joan. "Diese Gedanken nehmen Einfluss auf dich und sorgen eben dafür, dass du dein Gleichgewicht verlierst. Anfangs hatte ich auch Panik gehabt, doch dann habe ich daraus schöne Gedanken geformt!"
      Julia machte einen neugierigen Eindruck: "Wie hast du das geschafft?"
      Joan schloss ihre Augen: "Zuerst dachte ich, ich würde fallen und in die Tiefe stürzen, doch dann habe ich mir vorgestell, dass ich fliegen konnte und somit war meine Angst vergessen!"
      Julia blickte verlegen zu Boden: "Glaubst du, ich kann das schaffen?"
      "Also, ich habe immer zu meinem Bruder gesagt: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!" antwortete Joan.
      "Du hast einen Bruder?" fragte Julia neugierig. "Darf ich ihn vielleicht kennenlernen?"
      "Das geht leider nicht!" antwortete Joan mit glasigen Augen. "Er ist einer anderen Trainingseinheit beigetreten, wenn er noch lebt!"
      Sie legte ein Lächeln auf: "Stell dir es einfach vor, dass du ein Vogel bist und fliegen kannst!"
      "Oke, wie du meinst!" sagte Julia und lies sich von ihr hochziehen.
      "Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du die Augen schließt!" schlug Joan vor.
      Ohne Widerrede schloss Julia ihre Augen und konzentrierte sich auf ihre Gedanken.
      Zuerst kämpfte sie um ihr Gleichgewicht, doch nach kurzer Zeit war ihr Kampf vorbei und sie ließ sich ganz entspannt hängen.
      Joans Augen funkelten: "Siehst du, du hast es geschafft!"
      Julia öffnete wieder ihre Augen und blickte Joan dankbar an: "Ich habe es endlich hinbekommen. Vielen Dank!"
      "Nichts zu danken!" antwortete Joan, während sie Julia auf dem Boden lies.

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      Zwei Stunden später:
      Um punkt elf fand die Nachprüfung statt, d.h. die Rekruten, die am vorherigen Tag nicht bestanden haben, hatten somit am nächsten Tag die Möglichkeit die Prüfung zu wiederholen.
      Von unserer Hütte waren Julia und Joan betroffen.
      Für Joan hoffte ich das Beste. Sie ist mir nämlich sympathisch und es wäre zu schade, wenn sie gehen müsste.
      Julia dagegen durfte ruhig durchfallen. Ein verzogenes Görr wie sie würde sowieso keiner vermissen.
      Obwohl sehr wenige Rekruten die Prüfung wiederholen mussten, bestand für uns alle Anwesenheitspflicht. Ich stand zur Abwechslung mal in den vorderen Reihen, damit ich das Geschehen genauer beobachten konnte.
      "Alle Prüflinge bitte vortreten!" befahl der Ausbilder. Kurz darauf waren alle Nachprüflinge vorgetreten.
      Der Ausbilder sprach weiter: "Die Ersten, die geprüft weden sind: Joan Rainwood, Belinda Hellway und Mina Carolina!"
      Alle Drei traten unter ihren Apparaten. Beim genauen Beobachten ist mir aufgefallen, dass von allen drei Rekruten, Joan mit Abstand die Entspannteste war. Trotzdem haben alle Drei bestanden.
      Nun wurden die nächsten Prüflinge angekündigt: "Die Nächsten sind: Steffen König, Samuel Freier und Julia Wagner!"
      Auch die Rekruten und auch Julia (leider) haben die Prüfung bestanden.
      Der Ausbilder kündigte den letzten Prüfling an: "Und zu guter Letzt: Eren Jäger!"
      Ein Junge, vielleicht im Teenageralter trat vor, er hatte dunkelbraune Augen und grüne Augen.
      "Hoffentlich fällt der durch!" dachte ich mir. "Wäre echt langweilig, wenn alle bestehen würden!"
      Weitere Ausbilder kamen und befestigten seinen Gurt an die Stahlseile.
      "Eren Jäger, bist du bereit?" fragte der Ausbilder.
      "Ja!" antwortete Eren.
      Der Ausbilder nichte und wendete sich an die anderen Aufseher: "Fangt an!"
      Er wurde hochgezogen.
      "Mal gucken wie er sich so anstellt!" dachte ich mir grinsend.
      Für einen Moment hatte es den Anschein, dass er mühelos bestehen würde. Doch dann passierete das Unerwartende: Schlagartig überschlug er sich und stieß sich den Kopf.
      Sofort brach ich in lautes Gelächter aus.
      "Hach, wie schön. Endlich hab ich mal was zum Lachen!" keuchte ich aus meinem Lachanfall heraus.
      Der Ausbilder warf mir einen strengen Blick zu. Was bewirkte, dass mein Gelächter auf der Stelle stoppte und ich verlegen zu Boden blickte.
      Der Ausbilder wendete sich an einen anderen Rekrukten: "Wagner, tausche bitte deinen Gurt mit Jäger!"
      Die Gurte wurden getauscht, Eren durfte noch einen letzten Versuch starten. Es kam auf, dass seine Ausrüstung defekt war und er bestand schließlich den Test.
      "Ich wusste, du schaffst es!" jubbelte Joan Julia zu, als wir in unsere Hütten gehen durften.
      "Ja, ganz toll!" gratulierte ich ihr mit einem desinteressierten Gesichtsausdruck.
      Julia ignorierte meinen Kommentar: "Jetzt wo ich hierbleiben darf, kann ich endlich das tun, was ich meinem Bruder versprochen habe!"
      "Ich habe langsam das Gefühl, dass wir zur einer kleinen Familie heranwachsen werden!" schwärmte Joan.
      "Wo ist denn eigentlich Annie?" fragte Julia.
      "Gute Frage!" antwortete Joan und blickte sich suchend um.
      Familie? Nee, auf gar keinen Fall! dacht ich mir kopfschüttelnd. Aber ich konnte mir kein freundliches Lächeln verkneifen.
      Kapitel 5: Der Gabelkampf + Entscheidungen:

      Vor der Wiederholungsprüfung:
      "Hier werden wir uns immer versammeln!" beschloss Reiner und setzte sich auf. "Und werden über unsere Pläne und Fortschritte sprechen!"
      Bertholdt setzte sich ebenfalls auf: "Und wir sollen das wirklich durchziehen?"
      "Willst du etwa kneifen?" fragte Reiner mit schroffem Ton.
      "Ne...Nein, natürlich nicht!" stotterte Bertholdt.
      "Gut so!" antwortete Reiner. "Denn es gibt jetzt kein Zurück mehr!"
      Reiner blickte zu Annie, die ganze Zeit schweigend danebenstand: "Setz dich, Annie. Du stehst schon seit fast zwei Stunden herum!"
      Wortlos gesellte sich Annie dazu setzte sich neben den Beiden.
      "Reiß dich mal zusammen und nimm das hier endlich ernst!" fügte er hinzu. "Deine kalte und lustlose Fassade geht mir so langsam auf die Nerven!"
      Nun ergriff Annie das Wort: "Vor kurzem habt ihr euch noch beschwert, dass ich viel zu emotional bin und jetzt soll ich aufeinmal wieder Emotionen zeigen!"
      Reiner seufzte: "Sorry, aber damals war das echt katastrophal. Zuerst ständig rumgekichert, dann geweint und dann vor Wut alles zertrümmert und sich noch hinterher für jeden Schwachsinn entschuldigt. Das ging überhaupt nicht, wir wären sonst aufgefallen und das darf auf keinen Fall passieren!"
      "Genau. Keine auffälligen Merkmale und sich garnicht erst auffällig verhalten!" antwortete Bertholdt.
      "Ach ja!" begann Reiner. "Da gibt es noch das Mädchen, das dir so ähnlich sieht!"
      "Ja und? Was soll denn mit ihr sein?" fragte Annie.
      "Nichts!" antwortete er. "Aber irgendwie finde ich es schon merkwürdig, dass...!"
      Nun mischte sich auch Bertholdt ein: "Reiner, hör auf damit. Wir sollten uns auf wichtigere Dinge kozentrieren.!"
      Reiner hielt inne: "Na schön, du hast Recht!"
      Er blickte kurz in Richtung Lager: "Langsam sollten wir zurückkehren, es beginnt gleich die Wiederholungsprüfung!"
      Reiner und Bertholdt standen auf und dreheten sich zu Annie um.
      "Kommst du mit?" fragte Bertholdt sie vorsichtig.
      Doch da Annie nicht antwortete, machte Reiner mit seiner Hand eine wegwerfende Bewegung: "Gut, keine Antwort ist auch ne Antwort. Soll Einer mal die Frauen verstehen!"

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      Später:
      Ich war gerade im Speiseraum, um meinen chronischen Hunger zu stillen. Doch als ich mir einen Sitzplatz suchen wollte, standen mir zwei Jungs im Weg: Es waren Reiner und Bertholdt. Ich erschrack und wich ein Stück zurück.
      "Tut mir Leid, dass wir dich erschreckt haben!" entschuldigte sich Reiner mit einem verschmitzten Grinsen. "Elisabeth, richtig?"
      Ich war überrascht: "Du bist die erste Person, die mich nicht mit Annie verwechselt. Ich wurde heute von mindestens fünf Personen mit dem Namen Annie angesprochen, wie kommt es?"
      "Naja, es mag daran liegen, dass Annie ihre Haare nie offen tragen würde. Deswegen kann ich euch so gut auseinanderhalten!" antwortete er.
      "Dürfen wir uns zu dir setzen?" fragte Bertholdt.
      "Ausnahmsweise!" antwortete ich mit einem Augenrollen.
      Ohne Kommentar setzten sie sich zu mir auf die Bank.
      "Es ist irgendwie eigenartig!" begann Reiner. "Wenn man jemanden so identisch gleicht. Soetwas passiert nicht jeden!"
      "Ich frage mich nur: Warum ausgerechnet ich? Ich habe allmählich das Gefühl, als möchte das Schicksal mich verarschen!" meckerte ich und nahm einen Schluck von MEINER Limonade.
      Reiner fing zum Lachen an.
      "Das ist nicht witzig!" fuhr ich ihn an.
      "So schlimm?" fragte er.
      "Stell dir vor, es gibt Jemanden den du bist zum Tod nicht ausstehen kannst und diese Person sieht dir noch zum Verwechseln ähnlich!" antwortete ich.
      "Also ich würde es ganz lustig finden!" kommentierte Bertholdt. "Man kann nämlich ganz gut die Rollen tauschen!"
      "Ihr habt ja keine Ahnung!" murrte ich.
      Reiner ignorierte mich und fragte: "Kennst du sie schon länger?"
      "Wie? Schon länger? Zum Glück nicht, sonst wäre ich ja nicht hier. Ich wäre ganz weit weg geflohen, wenn ich das gewusst hätte!"
      "Also wir kennen Annie schon seit unserer frühen Kindheit!" erzählte Bertholdt. "Sie kam von der selben Zone...!"
      Ich unterbrach ihn: "Zone?"
      "Ja, wir lebten in einer abgeleg...!" setzte er fort.
      Reiner unterbrach ihn: "Bertholdt, es reicht schon, du brauchst nicht gleich die ganze Story raushauen. Du weißt doch was das bedeutet!"
      "Tu...Tut mir Leid!" entschuldigte sich Bertholdt und senkte schließlich seinen Kopf.
      "Wo kommst du denn eigentlich her?" fragte Reiner mich neugierig.
      "Ich komme aus dem Dakur-Gebirge innerhalb der Mauer Maria!" antwortete ich.
      "Verstehe!" murmelte Reiner. "Tut mir Leid, dass wir dich genervt haben. Du möchtest bestimmt allein sein, oder?"
      Ich überlegte kurz: "Nö, wenn ihr wollt. Dann könnt ihr mit mir abhängen. Habe eh nichts Besseres zu tun.!"
      Ich stand auf und räumte das dreckige Geschirr weg. Reiner und Bertholdt taten es ebenfalls und legten Besteck und Teller in die Waschbox.
      "Sag mal, gehts noch?" hörte ich eine weibliche Stimme hinter mir kreischen. Es war Julia, ihr Gesicht war vor Wut kanllrot angelaufen und ihre Haare hingen verschwitzt herunter. "Willst du mir etwa Bertholdt ausspannen?"
      "Nein!" verteidigte ich mich und legte eine kurze Pause ein. "Obwohl man dich damit ganz schön auf die Palme bringen könnte!"
      Sie brüllte mich an: "Du blöde Kuh, musst du mir immer alles kaputt machen?"
      Ich grinste sie an: "Hey Julia, dein Make up ist ja total zerlaufen. So möchte dich Bertholdt bestimmt nicht daten!"
      Julia war entsetzt: "Was?" Sie blickte in ihren kleinen Handspiegel. "Mist, und das alles nur wegen dir!"
      "Und schon wieder bin ich schuld!" fuhr ich sie an. "Such dir mal ein anderes Opfer, das du beschuldigen kannst!"
      "Na klar bist du schuld, wer denn sonst? Du bist ja diejenige die sich an Bertholdt ranschmeißt!" brüllte sie.
      "Bitte, was?" antwortete ich. "Ich hab überhaupt keine Interesse an Liebeskram, sowas ist nur reine Zeitverschwendung!"
      Nun mischte sich auch Reiner ein: "Beruhigt euch, Mädels. Ihr solltet euch wirklich nicht über Bertholdt streiten!"
      "Ich habe eine bessere Idee, wie wärs wenn wir einen fairen Gabelkampf austragen!" schlug ich vor und warf ihr eine Gabel zu.
      "Ja!" hörte ich ein paar Rekruten uns zujubeln: "Kämpft, kämpft, kämpft!"
      "Na dann, wollen wir mal!" flüsterte ich und näherte mich Julia.
      Doch Julia wich zurück, um sich in Sicherheit zu bringen.
      "Kämpft, kämpft, kämpft!"
      Ich täuschte den ersten Angriff vor.
      "Kämpft, kämpft, kämpft!"
      Ich kam ihr näher und bereitete mich auf den ersten richtigen Angriff vor. Doch dann...
      "Leute!" schrie Bertholdt und ist zwischen uns getreten, er deutete Richtung Tür, wo bereits Finja mit verschränkten Armen stand.
      Dann passierte das Unerwartende: Sofort lies Julia ihre Gabel fallen und umarmte mich: "Das war nur Spaß, wir sind natürlich beste Freundinnen und haben gerade nur ein bisschen gescherzt!"
      "Ja...Das war nur Spaß!" bestätigte ich grinsend.
      Schnell bewegten wir Zwei uns aus der Hütte.
      "Ich behalte euch im Auge!" rief sie uns hinterher. "Ach ja, Elisabeth!"
      Geschockt hielt ich inne.
      "Ich wollte dich eigentlich für ein Einzelgespräch abholen!" fügte sie hinzu. "Es geht darum, dass ich die Gründe aufzeige, wieso es zur Verlegung kam!"
      "Oke!" antwortete ich nur und folgte ihr in die Hütte, wo sich die Ausbilder herumtrieben.
      Wir nahmen in einem sehr sparsam eingerichteten Raum platz.
      "Also!" begann Finja, während sie in einer Tasche herumwühlte. "Dir ist hoffentlich klar, warum du verlegt wurdest oder?"
      "Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer!" antwortete ich mit gespielter Desinteresse.
      Finja hielt ein Blatt direkt vor meiner Nase hin: "Gut, dann wird das dir helfen!"
      Ich nahm das Blatt und las mir den Inhalt durch. Es war eine Auflistung von den Vorfällen, in denen ich verwickelt war. Es war alles vermerkt, von dem respektlosen Verhalten beim Eingangsritus bishin zum Stören der Wiederholungsprüfung. Sogar der Lachanfall während der Prüfung wurde vermerkt.
      "Das ist deine Akte!" erklärte Finja, als ich aufsah. "Dort werden alle Regelverstöße und Vorfälle eingetragen. Diese Akte wird jeweils deine Division einziehen und über deine berufliche Eignung bestimmen. Wenn deine Akte natürlich voll mit solchen Einträgen ist, dass sind die Aufstiegsmöglichkeiten in der Division ziemlich gering!"
      Ich lachte kurz auf: "Das ist mit sowas von egal. Ich werde die drei Jahre hier ausharren und dann werde ich von hier abhauen und nach Hause zurückkehren!"
      "Wenn es dein Zuhause noch überhaupt gibt!" murmelte Finja.
      "Was soll denn das heißen?" fuhr ich sie an.
      "Ach nichts!" antwortete sie. "Wie auch immer: Den Unsinn, den man hier treibt, wird hier vermerkt und der zukünfitiger Arbeitgeber wird Spaß daran haben sich deine Akte durchzulesen!"
      Ich rollte mit den Augen: "Schon gesagt: Nach den drei Jahren werde ich abhauen und mir eine andere Arbeit suchen!"
      "Wie du meinst!" entgegnete sie: "Auf den Feldern sind zwar die Überlebenschancen noch geringer als bei der Grundausbildung im Militär!"
      "Mir doch egal!" zischte ich.
      "Gut, dann können wir dich doch gleich auf die Felder entlassen. Warum sollten wir dich drei Jahre lang hierbehalten, für das, dass du eh wieder auf dem Feld schuften und kaum was zu Essen bekommen willst!"
      Moment mal, ich wol...!" Doch Finja sprach weiter, ihr Gesicht glich einer ausdruckslosen und kalten Maske: "Du weißt doch selber wie es auf den Feldern zugeht, die Leute arbeiten den ganzen Tag und kriegen NICHTS. Nein, für die paar Brocken die sie bekommen, kann man sich gerademal ein paar Brotkrümel leisten. Viele sterben an Krankheiten oder an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Und diejenigen, die nicht durch Seuchen sterben, sterben letztendlich durch Unterernährung!"
      "Oke?" Ich war etwas verwirrt: "Was möchtest du mir damit sagen!"
      "Meine Cousine ist vor einem Jahr verhungert!" erklärte Finja. "Sie ist nur 17 Jahre alt geworden. Also überleg genau, ob du jetzt beim Militär bleibst oder auf die Felder zurückkehrst. Das ist allein deine Entscheidung!"
      Ich schwieg.
      "Ich gebe dir bis morgen Zeit und entweder hast du da deine Sachen gepackt, oder du bist fest entschlossen hier zu bleiben und ziehst das Training durch!" fügte sie hinzu. "Du darfst jetzt gehen!"
      Kapitel 6: Gehen oder Bleiben?

      Mit Tränen in den Augen und hochrotem Kopf flüchtete ich in die Hütte und wollte einfach nur von hier weg.
      Ich will allein sein, bitte lass die Hütte leer sein! Ich hab keinen Bock mehr! Ich betrat die Hütte und bemerkte leider, dass ich nicht die Einzige war, die in der Hütte Zuflucht gesucht hatte. Annie saß auf ihrem Bett und hatte sich ihre Kapuze übergezogen.
      Annie schaute kurz auf, als ich die Hütte betrat.
      Na super, ausgerechnet die muss gerade jetzt hier sein! dachte ich mir.
      Ich drehte mich zum Kleiderschrank um und öffnete ihn.
      In der Hütte befanden sich jeweils zwei Schränke, wo man Kleidung und Uniform verstauen konnte, ich teilte mit Annie einen Schrank. Während Julia und Luna sich den Anderen teilten. Joan hatte ihre Sachen auf meinen und Annies Schrank deponiert, da wir ja zu Fünft im Zimmer waren und die Schränke nur für vier Personen geeignet waren, ging Joan leider leer aus.
      Ich begann mein Fach auszuräumen. Annie starrte mich an.
      "Ich werde morgen gehen!" antwortete ich auf ihren fragenden Blick. "Und werden uns hoffentlich nie wieder sehen. Sei froh: Da werden wir nicht mehr verwechselt weil ich nicht mehr da bin!"
      Sie antwortete wie immer NICHT.
      "Und du hast den Schrank endlich für dich allein!" fügte ich hinzu und nahm ein paar Pullover von ihr und legte sie ordentlich in mein Fach.
      Annie kam sofort angerannt.
      "Lass das!" sagte sie und zerrrte an den hellgrauen Pullover.
      "Hey, ich wollte dir nur nen Gefallen tun und deine Sachen verteilen!"
      "Trotzdem, lass das!" sagte sie, diesmal mit einem scharfen Ton in der Stimme.
      Ich erinnerte mich an unsere erste Begegnung, die sich im Speiseraum ereignete. Als ich ihr gedroht habe sie zu verprügeln, konnte sich mich durchschauen und schlug mich schließlich zu Boden. Während das geschah, hatte sie ihren stoischen Gesichtsausdruck beibehalten.
      Doch jetzt durchbohrten mich fasst ihre Augen.
      Wenn Blicke töten könnten! dachte ich mir und legte schweigend ihren grauen Pullover wieder in ihr Fach zurück.
      "Sag mal!" begann ich mit fragenden Blick. "Wo warst du eigentlich während der Prüfung, ich hab dich nirgendwo gesehen?"
      "Wieso die Frage?" kam es von ihr.
      Das war nicht die Antwort, die ich von ihr wollte!
      Ich rollte mit den Augen: " Hör mal, ich möchte dich jetzt nicht anschnauzen, aber ich hasse Gegenfragen. Ich kann das absolut garnicht abhaben, wenn jemand die Frage ignoriert und stattdessen eine neue stellt!"
      Annie stöhnte kurz genervt auf: "Oke! und ich hasse unnötige Fragereien. Wieso interessiert dich das, wo ich gewesen bin?"
      "Was wollten eigentlich Reiner und Bertholdt von dir?" antwortete ich mit einer Gegenfrage.
      Annie zog mit genervten Blick ihre Kapuze über und setzte sich auf ihr Bett.
      "Hey, ich rede mit dir!" rief ich. "Hallo?!"
      Doch da sie mich ignorierte, bin ich mal wieder gezwungen gewesen es auf meiner Weise zu regeln.
      Ich drehte mich zum Schrank um und nahm schließlich ihren grauen Kapuzenpullover aus ihrem Schrank und ließ ihn zu Boden fallen.
      Ein Briefumschlag lugte aus dem Pullover hervor.
      Nanu? Was ist denn das? Ein Liebesbrief?
      Wie von der Tarantel gestochen, stürmte Annie auf dem Brief zu, schnappte ihn sich und steckte ihn in die Bauchtasche ihres weißen Pullovers.
      "Was war denn das?" fragte ich und blickte sie verwirrt an.
      Ich winkte ab: "Ach was solls? Ich verkrieche mich mal. Ich werde erst morgen mein Zeug zusammenpacken!"
      Ich erklomm die Leiter und kletterte auf mein Bett hinauf.

      "Meine Cousine ist verhungert!" hörte ich die Worte in meinem Kopf. "Sie war 17 Jahre alt!"
      "So alt wie ich! "dachte ich mir. "Sie ist so früh gestorben!"
      "Was würde sie tun, wenn sie noch am Leben wäre? Wenn sie die Kraft hätte? Wäre sie auch Soldatin geworden? Hätte ich noch die Kraft dazu gehabt, wenn ich noch länger auf dem Feld geschufftet hätte? Oder wäre ich genauso gestorben?"
      Schnell schüttelte ich den Gedanken ab.
      "Und morgen muss ich wieder unter den unmenschlichen Bedingungen arbeiten!"
      "Warte! Nein, ich muss nicht! Es ist allein meine Entscheidung!"
      "Entweder du hast deine Sachen gepackt oder du bleibst hier und ziehst das Training durch!" hörte ich Finjas Worte in meinem Kopf dröhnen.

      "Elisabeth!" hörte ich meine Mutter kreischen. "Bring dich in Sicherheit und kehre wieder heim, versuche mit aller Kraft wieder nach Hause zu kommen und kämpfe gegen den Feind!"
      "Ich gehe nicht ohne dich, niemals!" schrie ich und merkte wie der kalte Regen auf mich einprasselte.
      "Sie darf auf gar keinen Fall hier bleiben!" schniefte sie verzweifelt. Sie blickte den Militärpolizisten an. "Bitte tun sie doch was!"
      Ich wurde von hinten gepackt und weggezerrt.
      "Nein, Ich will nicht von hier weg. Ich flehe euch an, bitte!"

      Ich schreckte hoch.
      Bin ich wieder eingepennt? Verwirrt blickte ich mich um. Nun waren auch Julia und Luna in die Hütte gekommen. Julia war gerade dabei Luna zu schminken.
      "Also wegen deinen blauen Augen würde ich empfehlen Goldtöne aufzutragen!" erklärte sie, während sie Luna den Lidschatten auftrug.
      Ich sehe Julia zum ersten Mal mit Brille!
      Joan trat in unsere Hütte: "Also, Finja hat die Stundenpläne verteilt. Allerdings, hat sie mir leider nur vier mitgegeben!"
      "Wirklich?" fragte Luna kichernd.
      "Dann lauf zurück und hol dir einen!" antwortete Julia schroff.
      "Lauf du doch!" meckerte Joan zurück.
      Julia hielt inne: "Ich bin beschäftigt und Luna auch, frag doch Annie oder Ellie!"
      Julia wendete sich an Annie: " Annie, könntest du bitte...!"
      Doch Annie schüttelte mit dem Kopf.
      Bevor sie mich damit auf die Nerven gehen konnte, hatte ich bereits das Wort ergriffen: "Das liegt daran, dass ich morgen früh gehen werde!"
      Alle starrten mich geschockt an. Selbst Annie blickte mich mit großen Augen an.
      "Dein Ernst?" fragte Julia.
      "Ja, das ist mein Ernst!" antwortete ich.
      "Aber, wo wirst du dann hingehen?" fragte Joan und blickte traurig zu Boden. " Du hast doch auch dein Zuhause verloren, oder?"
      "Ich werde wieder auf dem Feld arbeiten!" sagte ich mit gespielter Desinteresse.
      Julia kreischte: " Was? Auf dem Feld? Oh Gott, das ist doch der totale Albtraum. Ich muss euch was zeigen!"
      Sie eilte zu ihrem Kleiderschrank und fischte ein dreckiges, braunes Hemd heraus.
      "Das war früher einmal strahlend weiß!" erklärte sie mit verzweifelten Ton ihrer Stimme. "Und jetzt ist es kackebrauen. Ich bekomme das nicht mehr sauber!"
      "Und?" fragte ich gelangweilt.
      "Es stinkt total!" fügte sie hinzu und rümpfte ihre Nase. "Wollt ihr mal riechen?"
      "Nein, bleib bloß weg!" kreischte Luna panisch und flüchtete auf ihr Bett.
      Julia grinste und kam auf ihr Bett zu.
      "Geh weg!" schrie Luna "Ich hab Angst vor braunen Hemden. Ich mache keine Witze!"
      Julia warf das Hemd auf sie.
      Luna schrie wie am Spieß. Doch dann schwieg sie aufeinmal.
      "Verarscht!" sagte Luna, brach in Gelächter aus und warf mir das Hemd zu.
      Ich knüllte es zusammen und schleuderte es unter mein Bett, wo sich Annies befand.
      Annie warf es in Richtung Joan.
      "So, das reicht jetzt!" sagte Joan und warf das Hemd aus dem Fenster. "Wir sollten bei solchen Situationen wirklich keine Scherze machen!"
      "Stimmt!" antwortete Julia und blickte zu Boden.
      "Häh? Was für ne Situationß" fragt Luna dümmlich.
      "Das hast du nicht gerade todernst gemeint, oder?" fuhr Julia sie an.
      "Nein, Ernst ist nicht tot!" antwortete Luna kichernd.
      "Ha Ha, ich lach mich tot!" kommentierte ich ihr unlustiges Wortspiel mit ausdrucksloser Miene.
      "Ellie wird morgen gehen!" wiederholte Joan.
      "Könnt ihr bitte aufhören mich Ellie zu nennen!" brüllte ich. "Ich hasse den Namen echt wie die Pest. Es kotzt mich echt an. Könnt ihr einfach mal die Klappe halten und mich in Ruhe lassen. Ich hasse euch Menschen, ganz ehrlich!"
      "Du bist aber auch ein Mensch!" antwortete Luna mit ernster Miene.
      "Luna!" fuhren Joan und Julia sie gleichzeitig an.
      Das Schweigen füllte den ganzen Raum.
      "Du hast übrigens das Abendessen verpasst!" fügte Joan nach kurzer Pause hinzu. "Aber das juckt dich nicht, hab ich Recht, Elisabeth?"
      "Oh Mann, gleich dir ersten zwei Stunden haben wir Technik und danach haben wir Mathe stöhnte Julia genervt, als sie den Stundenplan betrachtete. "Ich hasse Montage!"
      "Also ich finde Montage toll!" kommentierte Luna. "Technik und Mathe sind total einfach!"
      "Dann kannst du ja für mich meine Mathearbeit schreiben!"antwortete Julia.
      "Und am Dienstag haben wir Bungee Jumping Training!" las sie aus dem Stundenplan.
      "Echt?" fragte Luna und ließ ihren Oberkörper aus dem Bett hängen.
      "Sehe ich aus, als würde ich lügenß" murrte Julia.
      Luna jubelte und sprang von ihrem Bett hinunter.
      Während die Anderen sich über den Stundenplan beschwerten/freuten, lag ich im Bett und starrte die Holzdecke an.
      Bungee Jumping, das wollte ich schon immer machen! Doch morgen muss ich, nein morgen werde ich gehen! Oder soll ich wirklich hierbleiben? Aber falls ich bleibe, dann muss ich ein Leben als Soldatin führen!
      "Deine Akte wird jeweils deine Divison einziehen und über deine berufliche Eignung bestimmen!" hörte ich Finjas Stimme in meinem Kopf sagen.
      Wenn ich die Ausbildung durchziehen sollte, muss ich mich am Ende für eine Divison entscheiden. Aber welcher soll ich beitreten? Militärpolizei? Aufklärungstrupp? Oder Mauergarnison? Ich habe echt keinen blassen Schimmer!
      Ich schloss meine Augen und wartete auf den Schlaf....

      "Aber...Ich bin es nicht gewesen!" rief ich dem Militärpolizisten verzweifelt entgegen. "Ich würde soetwas niemals im Leben tun!"
      "Wer soll es dann gewesen sein?" fragte er mit durchdringenden Blick.
      Ich senkte meinen Kopf: " Ich habe keine Ahnung!"
      "Alles klar!" antwortete er bestätigend.
      Ich fiel auf die Knie und flehte ihn an: "Bitte, sie müssen mir glauben!"
      Nun kam auch die Frau auf mich zu und starrte mich an.
      Wie ich dasaß: Auf den Knien, mit gefalteten Händen und mit verquollenen Gesicht. Wie ein Häufchen Elend.
      "Findest du das richtig, deine angebliche Unschuld zu beteuern?" fragte sie und wischte sich ihre Tränen mit einem Tuch weg. " Wgen deiner Aktion sind zwei Kinder und drei Erwachsene ums Leben gekommen. Du bist erbärmlich und das noch mit so jungen Jahren. Schämen solltest du dich!"
      "Es tut mir Leid!" flehte ich. "Es tut mir so Leid!"
      "Da haben wir es!" sagte der Militärtpolizist und nickte seinen Kollegen zu.
      Bitte, ich flehe euch an! Ich war es nicht! Ich bin es nicht gewesen! Ich bin unschuldig!

      Ich schreckte schweißgebadet hoch.
      Schon wieder so ein Albtraum! dachte ich mir und blickte mich um.
      Es war Nacht und die Anderen schienen zu schlafen.
      "Hey, seid ihr noch wach?" hörte ich Julia laut fragen.
      "Ja, jetzt schon!" antwortete Joan verschlafen. "Was willst du schon wieder?"
      "Ich kann nicht schlafen!" flüsterte Julia leicht verängstigt. "Ich habe Schlafprobleme!"
      "Ja, schon klar!" sagte Joan mit genervter Stimme.
      "Ich meine das ernst!" zischte Julia. "Ich bin halt die Einzige hier, die Einschlafprobleme hat. Ihr habt ja keine Ahnung wie das ist!"
      "Ich kenne da ein Wundermittel!" antwortete Luna und kletterte vom Etagenbett. Sie öffnete das Fenster.
      "Bertholdt, Julia kann nicht schlafen und ist total in die verliebt!" schrie sie.
      "Was soll denn das?" fuhr Julia sie an. "Hast du noch alle Tassen im Schrank?"
      "Was ist?" kicherte Luna. "Jetzt kann er auch nicht schlafen und du bist jetzt mit deinen Problemen nicht mehr alleine!"
      "Genau!" mischte ich mich jetzt ein. "Jetzt kann das ganze Lager nicht schlafen. Dank dir, Luna!"
      "Bitte sehr, mach ich doch gerne!" bedankte sich Luna kichernd.
      "Jetzt seid doch mal leise!" beschwerte sich Joan.
      Kopfschüttelnd schloss ich meine Augen und betete, dass mich diesmal keine Albträume mehr heimsuchten.
      Warum verfolgen mich diese Albträume nur?
      Obwohl ich mit voller Kraft dagegen ankämpfte, kamen mir trotzdem die Tränen aus den Augen gekullert.
      Oh Nein, muss das sein? fragte ich mich und drehte mich auf dem Bauch.
      Es ertönte von untern ein Seufzen. Ich bäumte mich mit meinem Oberkörper aus dem Bett und blickte nach unten zu Annie. Sie schien tief und fest zu schlafen und machte den Eindruck, als hätte sie Lunas Krachaktion garnicht mitbekommen.
      Ich konnte nicht viel von Annie erkennen. Da 1. Es stockfinster war und 2. Ihre blonden Haare ihr Gesicht bedeckten.
      Im Bett kamen mir wieder die Tränen.
      Wieso heule ich schon wieder? Ich habe bei meiner Ankunft geschworen nie mehr zu heulen! Ich habe oft genug geheult! Jetzt muss auch mal Schluss sein! Wo zum Teufel kommen denn die ganzen Tränen her?
      Ich schniefte einmal kurz, damit ich meine Tränen wieder unterdrücken konnte.
      Soll ich wirklich morgen gehen? Oder soll ich bleiben? Ich konnte mich wirklich nicht entscheiden.
      Warum wollen meine Zimmergenossinnen, dass ich bleibe? Sollen die doch froh sein, dass ich vorhabe zu gehen!
      "Kämpfe gegen den Feind!" "Kehre heim!" waren die letzten Worte , die von meiner Mutter kamen.
      Und ich habe ihr versprochen, dass ich das tun werde und nett zu meinen Mitmenschen bin! Gut, das mit dem Nett sein habe ich schon gebrochen, aber soll ich auch noch das zweite Versprechen brechen?
      Zugegeben: Ich fand das Lager echt beschissen! Und das eine Jahr, das ich mit Feldarbeit vertrödelt habe, war kein Stück besser gewesen! Also würde es keinen Unterschied machen, wenn ich gehen oder bleiben würde weil die ganze Welt beschissen ist!
      Nachdem ich die halbe Nacht überlegt habe, konnte ich mich letztendlich entscheiden und schlief ein...

      Der nächste Morgen:

      Als ich am nächsten Tag aufwachte musste ich feststellen, dass ich allein in der Hütte war.
      Wo zum Geier sind die Anderen? fragte ich mich und blickte mich suchend um.
      "Ich habe sie gebeten, dich weiterschlafen zu lassen. Du hast bestimmt eine unruhige Nacht gehabt!" hörte ich Finjas Stimme.
      "Ja!" antwortete ich. "Die hatte ich tatsächlich!"
      "Und? Wie entscheidest du dich1" fragte sie mich.
      Ich seufzte: "Also ich sage es mal so: Auf dem Feld arbeiten ist ätzend und hier sein ist ebenfalls ätzend!"
      "Was möchtest du mir damit sagen?" drängte mich Finja. "Ich muss jetzt ein bisschen Druck machen weil der Unterricht gleich weitergeht und ich noch was zu erledigen habe!"
      Ich seufzte.
      Finja fuhr fort: " Du hast Probleme mit Annie, nicht wahr?"
      "Ich habe anscheinend mit Allen hier ein Problem!" murrte ich. "Vielleicht ist es deswegen besser, wenn ich gehen würde!"
      "Ja das stimmt, du hast mit Allen hier ein Problem!" antwortete Finja. "Aber es denken nicht alle nur negativ über dich!"
      Nach kurzer Pause fuhr sie fort. "Ich hatte deine Zimmergenossen bei einem EInzelgespräch gehabt. Auch Annie hab ich zu mir geholt. Sie ist zwar nicht gerade gesprächig, aber sie scheint ganz nett zu sein!"
      Sie grinste ganz verlegen: "In meiner Grundausbildung hier, war ich ebenfalls ein Problemkind gewesen und bin mit gar keinen zurechtgekommen! Ich habe von Zickenkrieg und Unsinn treiben sehr viel Ahnung, da ich selber einmal so gewesen bin!"
      "Glaubst du überhaupt, dass ich zum Kämpfen geeignet wäre? Kann ich wirklich gegen den Feind kämpfen und glaubst du wirklich, dass ich dann wieder heimkeheren kann?" fragte ich sie.
      Sie lächelte: "Also, wenn du die Ausbildung hier durchziehst und danach dem Aufklärungstrupp beitretest, dann ja. Ich glaube jedenfalls an dich!"
      Ich stutzte: "Warum der Aufklärumgstrupp?"
      "Der Aufklärungstrupp erobert die Mauer Maria zurück und wenn es dann soweit ist, dann kannst du wieder heimkeheren!"
      "Ich habe mich entschieden!" antwortete ich entschlossen...

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      Kurz vor Pausenende:

      "Und danach haben wir Mathe!" jammerte Julia verzweifelt. "Ich glaube ich werde den heutigen Tag nicht mehr überleben!"
      "Hey, so schlimm ist es doch garnicht!" antwortete Luna. "Das ist doch ganz einfach. Dafür kann ich garnicht richtig lesen und schreiben!"
      Joan räusperte sich: "Wir haben Besuch!"
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      Nachdem ich mir die Haare hochgebunden habe, machte ich mich auf dem Weg in den Speiseraum und suchte meine Zimmergenossinnen auf.
      "Und wie hast du dich entschiedenß" fragte Joan und trank einen Schluck Wasser.
      Ich stöhnte genervt auf und setzte mich: "Ich bleibe!"
      "Das finde ich toll!" antwortete sie erleichtert.
      "Ich habe gestern geträumt, dass ihr alle gestorben seid und jetzt sehe ich eure hässlichen Visagen wieder, Scheiße!" meckerte ich.
      Julia grinste: "Unsere Elisabeth!"
      "Wir sollten uns langsam wieder in Richtung Klassenzimmer begeben, sonst kommen wir noch zu späte zum Unterricht!" sagte Joan und stand auf. Wir taten es ebenfalls und folgten ihr nach draußen.
      "Glaubt fall aber garnicht, dass ich diese Zeit hier genießen werde!" murrte ich. "Und denkt bloß nicht, dass ich micht mit euch gerne abgebe. Das ist nur reine Zweckgemeinschaft, verstanden?"
      Julia, Luna und Joan lächelten nur.
      "Wir haben es kapiert!" antworteten sie.