Attack on Dreams - Die Geschichte der Genevieve DellÁcqua

      Attack on Dreams - Die Geschichte der Genevieve DellÁcqua

      Ich hoffe mal, dass er das als Unterpunkt für Fanfiktions postet und ich hier nichts falsches angeklickt habe. So wie ich das aufgefasst habe, ist es okay einen Thread für eigene Fanfiktions zu eröffnen? Meine erste Geschichte spielt im Grunde den Manga von "Attack on Titan" nach, nur aus der Sicht meines Charakters. Einige Szenen können verschoben oder ein wenig anders dargestellt werden, vor allem, weil hier ein Charakter dazugedichtet wird und damit die Handlung auch auch ein wenig mitbestimmt. Ich bin mir gerade ziemlich unsicher, da in den Regeln "Keine Gewalt" steht, aber "Attack on Titan" ein ziemlich blutrünstiger Anime / Manga ist. Gerade im ersten Kapitel habe ich die Szenen, in denen Menschen von Titanen gefressen werden und wie sich mein Charakter dabei fühlt, sehr detailiert dargestellt. Sollte das gegen die Regeln verstoßen, dann tut es mir leid. Um das Ganze ein wenig übersichtlicher zu gestalten, werde ich, wenn ich ein Kapitel hochlade, diesen Post hier einfach bearbeiten und die einzelnen Kapitel in Spoiler packen und auflisten. der Restplatz kann dann für Feedback oder andere Fanfiktions meinerseits genutzt werden.

      Und nun viel Spaß beim Lesen.^^
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      Kapitel 1: Vaterliebe
      Spoiler anzeigen
      Die Menschheit wurde von Titanen angegriffen und fast völlig
      ausgerottet. Die letzten Überlebenden hatten sich hinter
      die Mauern Maria, Rose und Sina zurückgezogen, welche sie schützen
      sollten. Doch an diesem denkwürdigen Tag wurde Mauer Maria vom
      kolossalen Titan zerstört und die Menschheit erinnerte sich wieder
      daran, wie es war von den Titanen beherrscht zu werden.


      Ich konnte mich noch erinnern, wie die Titanen ins Mauerinnere von
      Shiganshina eindrangen und sich direkt auf die nächstbesten Menschen
      stürzten. Zu der Zeit hatte ich mich mit meiner Mutter und meinem
      Halbbruder an einem Marktstand befunden und frisches Obst eingekauft.
      Nie werde ich diese furchtbaren Schreie vergessen, vermischt mit dem
      Geruch von Blut.


      „Mama, bitte kaufe auch frische Äpfel! Du
      weißt doch, dass ich die gerne esse!“ jammerte ich und zog meiner
      Mutter am Ärmel, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Mein Bruder stand
      daneben und spielte mit einer Birne. „Das sagst du immer und dann isst
      du sie eh nicht! Und frisches Obst ist teuer!“ entgegnete mir die
      brünette junge Frau und befreite ihren Ärmel aus meinem Griff.
      Schmollend griff ich wieder danach: „Die Äpfel, die du mir sonst gibst,
      sind ja auch alt wie sonst noch was! Klar, dass ich die nicht mag!“. Die
      brünette Frau mit den schulterlangen Locken seufzte genervt:
      „Genevieve, lass meinen Ärmel jetzt los! Ich kaufe dir-…!“. Plötzlich
      fing die Erde zu wackeln an und die Welt vor mir erzitterte. Es war, als
      wenn ein Erdbeben diese kleine Welt erschüttern würde, in der wir
      lebten. Ängstlich klammerte ich mich an meiner Mutter fest, die Mühe
      hatte das Gleichgewicht zu halten. Häuser schienen einzustürzen zu
      wollen, als das Erdbeben plötzlich abebbte. „Was war denn das?!“ hörte
      ich meine Mutter rufen, während mein Blick an einem riesigen roten
      Schädel hängen blieb, der oberhalb der Mauer aufgetaucht war. Dieser war
      anscheinend dabei, die Mauer zu zerstören. „Mama, da!“ schrie ich und
      deutete mit dem Finger auf den roten Riesen, „Ein Titan!“. Wieder
      erbebte die Mauer und der kolossale Titan brach durch. „Los, rennt!!“
      schrie der Ladenbesitzer und machte, dass er Land gewann. Mein Bruder
      fing bitterlich zu weinen an, während meine Mutter ihn auf die Arme hob
      und mit mir an der Hand loslief. Wir waren nicht weit von der
      Einbruchsstelle entfernt und mit Sicherheit die Ersten, die von Titanen
      gefressen werden würden. Wir rannten in Richtung Mauer Maria, wo wir vor
      Titanen sicher sein würden. Ganze Menschenmassen drängten sich an uns
      vorbei in dieselbe Richtung. Beinahe wäre ich hingefallen und
      zertrampelt worden, doch meine Mutter hielt mich fest und zog mich
      weiter. Die panischen Gesichter der Menschen um uns herum brannten sich
      in mir ein, prägten mich und ihre Schreie betäubten meine Ohren. Am
      liebsten hätte ich mir die Ohren zugehalten, weil diese Lautstärke
      beinahe unerträglich war und mir wehtat. Doch ich konnte nicht, ich
      musste weiterrennen. Tränen rannen über mein Gesicht und meine Füße
      schmerzten. Natürlich konnte eine Fünfzehnjährige nicht mit dem
      Lauftempo einer Erwachsenen mithalten, auch wenn diese ein Kind trug.
      Nebenbei bemerkte ich, wie immer mehr Menschen verschwanden. Riesengroße
      Gestalten griffen nach uns. Der Mann, der neben uns lief, wurde gepackt
      und schreiend in die Lüfte gehoben. Meine Mutter beschleunigte ihr
      Tempo und ich kam nicht mehr hinterher. „Lauf schneller, Genevieve!
      Sonst kriegen sie uns!“ kreischte sie panisch und zog an meiner Hand.
      Nun weinte ich richtig, da ich dem nicht Folge leisten konnte und am
      Ende meiner Kräfte war. Überall tauchten Titanen auf und zerstörten die
      Häuser, in die sich die Menschen geflüchtet hatten. Einige andere
      versuchten nach den immer noch Fliehenden zu haschen. Die Frau hinter
      uns machte Bekanntschaft mit den Zähnen eines Titans. Man konnte die
      Knochen bersten hören. Mutter und ich kamen auf einen weitläufigen Platz
      an, wo sich die Überlebenden sammelten. Mein Stiefvater kam auf uns
      zugelaufen, doch Zeit uns darüber zu freuen hatten wir nicht. Wir
      mussten weiterlaufen. Schon brachen die nächsten Monster mit grinsenden
      Gesichtern aus den Häuserreihen hervor. Menschen stoben in Panik
      auseinander, andere wurden direkt geschnappt und gefressen. Wir rannten
      weiter. Doch mittlerweile kamen Titanen nicht mehr von hinten und den
      Seiten, auch von vorne griffen sie an und schnitten uns den Weg ab.
      Meine Eltern wussten nicht mehr wo sie hin laufen sollten, während
      Titanen von überall her kamen. Von den Überlebenden waren kaum noch mehr
      welche übrig. Plötzlich hörte ich Würgegeräusche und ich bekam mit, wie
      ein Titan der etwas kleineren Sorte sich übergab und damit einen Haufen
      Leichen preisgab. Von den Menschen waren nur noch Überreste vorhanden,
      welche dick in klebrigem Schleim eingepackt waren. Aber die Überreste
      der Kleidung konnte man noch recht deutlich erkennen. Entsetzt starrte
      ich auf die Überbleibsel des Obstverkäufers. Wie lange war es her,
      seitdem wir vor dem Mann gestanden hatten und ich meine Mutter um Äpfel
      angebettelt hatte? Das konnte doch gar nicht so lange her sein,
      vielleicht eine halbe Stunde? Meine Mutter hatte die Überreste nun auch
      erkannt und fing an hysterisch zu schreien, die Augen weit aufgerissen.
      Mein Vater geriet dadurch nur noch mehr in Panik und beide sahen sich
      hektisch um, während mein Bruder nur noch lauter weinte. Beide waren
      durch ihre Angst nicht mehr klar bei Verstand, dass wusste ich und die
      Titanen rückten immer näher. Alles verkrampfte sich in mir, da ich meine
      Eltern, die Menschen auf die ich gerade am dringstens angewiesen war,
      nicht mehr wiedererkannte. Mir wurde schlecht und das Ehelend fraß sich
      wie Säure durch meinen Magen. Mein Blick löste sich wieder von meiner
      Familie und wanderte wieder zu dem Haufen Erbrochenem. Wollte ich
      wirklich so enden? Als Titanenkotze? Ganz zu schweigen was mit meiner
      Familie passieren würde. Direkt über mir hörte ich es schreien, als
      einem Mann ein Bein abgebissen wurde. Scheinbar hatte der Titan vor
      seinen eben entleerten Magen wieder zu füllen. Und dann legte sich in
      mir ein Schalter um, der meine Angst in den Hintergrund schob und mich
      wieder klar denken ließ. Ich wollte noch nicht sterben, ich wollte leben
      und dafür würde ich bin zum bitteren Ende kämpfen. Entschlossen blickte
      ich mich um. Das Haus der Meyers fiel in mein Blickfeld. Es war noch
      nicht von Titanen besetzt worden. Soweit ich wusste, hatten die Meyers
      einen Keller mit einer eisenbeschlagenen Türe. Ich war einmal dort
      gewesen und hatte mit dem freundlichen alten Herren Meyer Wein
      hergestellt, den er dort unten in seinem Kellerraum lagerte. Die
      Vorstellung, dass der alte Herr mit dem weißen Bart und der Nickelbrille
      gefressen worden war, betrübte mich irgendwie ein wenig. Trotzdem würde
      seine Vorliebe für Wein uns vielleicht das Leben retten. „Los! In das
      Haus der Meyers! Die haben einen Keller!“ wies ich meine Familie an.
      Schnell flitzten wir an anderen Überlebenden vorbei und zwischen den
      Titanen hindurch. Zügig erreichten wir die Haustüre der Meyers, die
      glücklicherweise offen stand, und visierten die kleine Falltür an,
      welche ich direkt ausfindig gemacht hatte. Wir kletterten nach untern
      und schlossen ab. Gerade in dem Moment hörte ich das Fensterglas
      bersten. „Hoffentlich entdecken die uns nicht!“ hörte ich meine Mutter
      flüstern, als wir im Keller zwischen den Weinfässern saßen und uns
      ängstlich zusammenkuschelten. Stampfende Schritte von den kleinsten der
      Titanen waren zu hören, die mühelos in das Haus passten, während die
      größeren Exemplare weiter die Einrichtung demolierten. Doch waren diese
      Wesen nicht intelligent genug, um uns zu finden.

      Nackt und mit diesem Blick, als hätten sie Weed geraucht, erinnerten Titanen leicht an
      Zombies. Zwar gab es sie in allen unterschiedlichsten Größen, aber
      Intelligenz konnte man ihnen wahrlich nicht zuschreiben. Doch dabei
      waren sie beinahe unzerstörbar. Zombies konnte man wenigstens den Kopf
      abschießen, aber anders als Zombies vermehrten sich Titanen nicht.
      Zumindest vermutete ich das. Die Schritte entfernten sich bald und die
      Titanen hörten auf das Haus zu verwüsten. Man hörte noch die Schreie von
      Menschen, die gefressen wurden. „Und was machen wir jetzt? Die suchen
      zwar nicht mehr nach uns, aber weg kommen wir hier genauso wenig!“
      ergriff mein Vater als erstes das Wort. „Von Wein können wir uns auf
      jeden Fall nicht ernähren! Wir werden sterben, genau wie die anderen!“
      entgegnete meine Mutter und fing bitterlich zu weinen an. „Das ist alles
      deine schuld! Hättest du uns nicht in diesen blöden Keller geschleppt!“
      raunzte Radolf mich an, was mich tierisch aufregte. Ohne mich wären wir
      jetzt alle tot, aber ja, ich war ja immer an allem schuld.

      Radolf Freiburg war groß, schlank gebaut und ein Typ Mann, dem die Haare
      überall sprossen…außer auf dem Kopf. Seine Haare waren hellbraun und er
      trug einen Schnauzhart. Sein Blick war stechend und die meiste Zeit
      angriffslustig auf mich gerichtet. Mit seinen blauen Augen und seiner
      gebräunten Haut hätte er für sein Alter ein bildschöner Mann sein
      können, wäre ihm da sein eigenes Verhalten nicht im Wege. Der Mann war
      Choleriker, ein Macho, kam mit sich selbst und seinem Leben nicht
      zurecht und benahm sich oftmals wie ein Maurer. Gut...als Holzfäller
      ensprach er im weitesten Sinne dem Berufsbild eines Maurers oder
      zumindest dem eines schwer arbeitenden Mannes, aber wer mit einem Tritt
      geweckt wurde, der würde sich diesen Mann lieber als einen
      Schreiber...oder Arzt wünschen. Radolf aß auch noch wie ein Schwein aus
      einem Trog und stellte Sachen nicht zur Seite, sondern trat sie zur
      Seite. Meinen Erzeuger hatte ich nie kennen gelernt und seit meinem
      vierten Lebensjahr war er für mich präsent. Als ich acht Jahre alt war,
      bekam meine Mutter dann meinen Bruder. Während ich mich mit meinem
      Stiefvater ständig in der Wolle hatte, verstand ich mich mit Pascal und
      meiner Mutter bestens.

      Da ich durch meine Erziehung von Kind an
      nichts anderes gewohnt war, als hinzunehmen und zu schweigen, war ich
      versucht auch dieses Mal wieder die Klappe zu halten und den Mann vor
      mir zu ignorieren. Vielleicht würde meine Mutter notgedrungen wieder für
      mich einspringen und mich verteidigen. Doch ich hatte Menschen sterben
      sehen, hatte gesehen wie meine Nachbarn und andere qualvoll ums Leben
      kamen. Ich.wollte.nicht.mehr.schweigen!! „Ist das dein scheiß ernst?!!
      Ich habe euch den ARSCH gerettet, verdammt! Ohne meinen Einfall wären
      wir jetzt alle tot!! Wer ist denn konfus durch die Gegend gerannt? Du
      oder ich?!“ schrie ich ihn an, sodass meine arme Mutter direkt
      aufzuckte, in der Erwartung, Titanen hätten mich gehört und würden
      versuchen hier einzudringen. Doch nichts rührte sich, während von
      draußen weiterhin Schreie zu hören waren. „Ich will nach Hause!“ weinte
      mein Bruder und meine Mutter nahm ihn tröstend in den Arm.

      Clodia Freiburg war eine starke und energiegeladene junge Frau mit
      dunkelbrünetten schulterlangen lockigen Haaren, grünbraunen Augen und
      leicht gebräunter Haut. Auf ihrem Schoß saß mein sieben Jahre alter
      Bruder. Pascal hatte dunkelblonde kurze Haare, Vaters blaue Augen und
      einen normalen Teint. Ich sah ihm, mit meinen hellblonden hüftlangen
      Haaren und den ebenfalls blauen Augen ziemlich ähnlich. Auch hatte ich
      ungefähr dieselbe Hautfarbe wie er. Obwohl wir nur Halbgeschwister
      waren, sahen wir uns ähnlicher wie direkte Blutsverwandte.

      „Wir müssen hier weg, ehe wir die einzigen Überlebenden sind!“ richtete ich mein Wort wieder an alle.
      „Und wie bitte soll das gehen? Dann denk dir mal einen schlauen Plan aus,
      wenn du ja alles kannst!“ gab mir Radolf zur Antwort. Warum konnte mich
      dieser Mann eigentlich nicht leiden? Ich versuchte mir zu erklären, was
      ich ihm getan hatte, dass er mich nicht mochte? Mein Bruder war auch
      nicht immer seiner Meinung und meine Mutter legte sich auch oft genug
      mit ihm an. Aber ich wurde als einzige Person IMMER von ihm angegriffen
      oder ins Visier genommen. Ich verstand das einfach nicht. Lag es
      vielleicht daran, dass wir nicht blutsverwandt miteinander waren?
      „WAS?!! Nur weil du zu doof bist oder weil wir nicht blutsverwandt
      sind?!“ fauchte ich ihn an, da ich nicht mehr Herr über meine Gefühle
      war. „Genevieve, sei gefälligst leise! Sonst hören die uns noch!“ wollte
      meine Mutter dazwischen gehen, wurde aber von beiden Streitparteien
      ignoriert. „Was hat das denn damit zu tun?!“ wurde nicht minder laut
      zurückgefaucht. „Du hast mich mein Leben lang immer zur Sau gemacht,
      weil wir nicht blutsverwandt sind! Ist.doch.so!“ entgegnete ich ihm
      gefährlich ruhig.
      „Ja klar! Einbildung ist auch eine Bildung!“
      „Dann bin ich anscheinend sehr gebildet! Hach, was bin ich schlau!“~
      „Wenn du so schlau bist, dann kannst du uns sicher sagen, wie wir hier wieder wegkommen?!“
      „Nö! Denk doch selber nach, du...MONK! ...Aber mal Butter bei die Fische! Warum kannst du mich nicht leiden???“
      „Weil du nicht hörst, wenn ich dir was sage; dich im Haushalt rein gar nicht betätigst….!“
      „Weil
      ich andere Ansichten habe und nicht einsehe, dass ich als Frau nur den
      Haushalt machen muss, während du und mein Bruder daneben sitzt…!“
      „Weil
      ich erwachsen bin und weiß, was das Richtige ist und weil das nun mal
      so ist, dass die Frauen den Haushalt machen und die Männer dafür
      arbeiten gehen…!“
      „Weil Alter keine Reife in allen Dingen vorrausetzt
      und ich zu einer Generation Menschen gehörte, die alles eben anders
      angehen.. Und zum Thema Arbeit! Wir können ja gerne tauschen! Und seit
      wann arbeitet Pascal? Also warum soll ich dann den Haushalt machen und
      er nicht?!“
      Der Hausherr fand anscheinend keine guten Argumente mehr,
      denn er schwieg sich erstmal aus. Diese Gelegenheit nutze ich sofort:
      „Ich wiederspreche oder mache manche Dinge nicht, weil ich dich ärgern
      will, sondern weil ich darin nicht den Sinn sehe und es deshalb anders
      machen möchte! Und ich weiß nicht! Eigentlich habe ich dich sogar sehr
      lieb, aber du behandelst mich immer wie das arme Stiefkind!
      Blutsverwandtschaft sagt nichts über eine Familie aus! Nichts über die
      Bindung, die Liebe, die einem als Familie verbindet! Ich bin nicht dein
      Blut, aber ich bin das, was du aus mir machst! Ich bin dein Herz! Und
      das zählt mehr als die Gene!“. Ernst sah ich den Mann vor mir an und
      Stille legte sich über den kleinen Kellerraum. Plötzlich hörte man es
      splittern und ein Arm bohrte sich durch die Falltür des Weinkellers.
      „Sie haben uns gefunden!“ rief Pascal und sprang auf. „Jetzt sind wir
      erledigt!“ fügte mein Vater hinzu. „Nein! Nicht wenn wir die Zwischentür
      zum Nachbarskeller aufbekommen! Der Keller der Meyers ist mit dem
      Keller der Nachbarn verbunden und nur durch eine Türe getrennt!
      Zumindest hat Herr Meyer mir das so gesagt!“ warf ich in die Runde und
      hechtete zu der besagten Türe, die sich ganz hinten im meyerischen
      Keller befand und einen eher unauffälligen Eindruck machte. Als ich
      daran rüttelte, war sie verschlossen. Inzwischen waren die Titanen dabei
      sich immer weiter durch die Türe zu graben. „Was machen wir denn
      jetzt?!“ rief meine Mutter in Panik aus. Ich nahm mir eine Axt zur Hand,
      die an der Wand gelehnt hatte: „Ihr tretet die Türe ein und ich
      filetiere die Titanen!“. Radolf wollte protestieren, als ich nach vorne
      stürmte und mich auf den ersten Titanen stürzte, der sich durch die
      Falltür pellte. Diese Exemplare hatten zum Glück menschliche Größe,
      weshalb sich der Kampf mit ihnen sich ein wenig leichter gestaltete.
      Während ich meine Axt schwang und sie dem ersten Titanen in den Hals
      bohrte, schlug meine Familie wie verrückt auf die Türe ein. Noch mehr
      Titanen zwängten sich durch den aufgebrochenen Spalt und so langsam
      wurde es eng. Egal wo ich hinschlug, diese Wesen regenerierten sich
      wieder oder es hatte gar keinen Effekt auf sie. „Mist!“ hörte ich mich
      selber lauthals fluchen, da die Titanen mir gefährlich nahe kamen und
      immer noch mehr von ihnen mit dazu stießen. Endlich hörte ich das
      bersten von Holz hinter mir und ich wusste, dass meine Familie es
      endlich geschafft hatte die Verbindungstüre zu durchbrechen. Schnell
      spurtete ich in ihre Richtung, die Titanen im Schlepptau. Wir liefen
      durch die Türe und nach oben in die Wohnung. Von dort aus ging es auf
      die Straße. „Zur Mauer Maria ist es nicht mehr weit!“ erklärte ich und
      spurtete vorraus, meine Familie folgte mir. Um den Titanen ausweichen zu
      können, konzentrierte ich mich auf mein Gehör, da diese Wesen nicht
      gerade leise waren und immer noch Menschen fanden, die sie fresen
      konnten. Ich bemühte mich also, in Richtung der Titanen zu rennen, die
      bereits beschäftigt waren oder Stellen zu suchen, wo sich keine Titanen
      aufhielten. Die Axt hatte ich immer noch in der Hand, um mich im Notfall
      verteidigen zu können. Doch als wir vor Mauer Rose standen, klaffte
      dort ein riesiges Loch. „Die Mauer ist anscheinend auch durchbrochen
      worden! Was machen wir denn jetzt? Soweit ich weiß, liegt dahinter nur
      eine riesige Fläche, perfekt um gefressen zu werden!“ konnte ich meine
      Mutter hören, während wir alle Fassungslos vor der kaputten Mauer
      standen. Wenn die anderen Mauern auch durchbrochen wurden, dann gab es
      keine Überlebenschance mehr für uns. „Da kommen Soldaten! Bestimmt
      retten die uns!“ hörte ich meinen Vater sagen und tatsächlich kamen vier
      Reiter auf uns zu. Da auf ihren Uniformen das Zeichen der Rose zu sehen
      war, konnte es sichs dabei nur um die Mauergarnison handeln.

      „Schnell,steigt auf die Pferde!“ rief einer der Männer und kam zusammen mit den
      anderen zu uns geritten, um beim Aufsteigen auf die Pferde behilflich zu
      sein. Ein wenig ängstlich klammerte ich mich an dem anführenden Soldat
      fest, während meine Mutter, mein Vater und mein Bruder jeweils hinter
      den anderen Männern saßen. Lautes Stampfen ertönte, als Titanen auf uns
      zu gerannt kamen, in der Hoffnung noch etwas zu Essen zu ergattern.
      Schnell preschten die Pferde los und ich hatte Mühe mich festzuhalten.
      Nun tauchten Titanen von allen Seiten auf und versuchten uns zu greifen.
      Ich hatte noch gerade Zeit mich zur Seite weg zu ducken, als ein Titan
      meinem Vordermann den Kopf abbiss und vom Pferd hob. Schnell ergriff ich
      die Zügel. Ich hatte noch nie im Leben ein Pferd geritten, geschweige
      denn darauf gesessen, aber meine Instinkte leiteten mich und anscheinend
      reichte es, um das verängstigte Tier zu lenken. „Papa, duck dich!“ rief
      ich meinem Vater zu, ehe der nächste Titan ihn köpfen konnte. Der
      Soldat vor ihm hatte weit weniger Glück und so verschwand gleich der
      nächste Retter. Der nächste Titan stellte sich dem Reiter mit meinem
      Bruder in den Weg und schnappte sich den Soldaten von vorne. Pascal sah
      geschockt zu, wie der Mann vor seinen Augen verspeist wurde und blieb
      somit auf der Stelle stehen. „Nimm die Zügel in die Hand und komm!! Oder
      willst du gefressen werden?!“ schrie ich meinen Bruder an. Ziemlich
      verängstigt ergriff auch Pascal endlich, auch wenn unbeholfen, die
      Zügel. Ein wenig erleichtert konnte ich erkennen, dass das Tier sich von
      dem Kleinkind führen ließ und mein Bruder sich wieder in Bewegung
      setzte. Der Reiter meiner Mutter wurde von der Seite angegriffen, seinen
      Arm zwischen den Zähnen eines Titans eingeklemmt. Dadurch, dass der
      zusätzliche Ballast von den Pferden war, waren wir nun viel schneller
      und konnten den uns angreifenden Titanen entkommen. Diese nahmen aber
      weiterhin die Verfolgung auf. Das Tor von Mauer Rose kam schon in Sicht
      und erleichtert wollte ich aufatmen, als ich merkte, dass es sich
      schloss. „Scheiße! Die wollen uns hier einfach verrecken lassen! Das Tor
      geht zu!!“ schrie ich und trieb mein Pferd nur noch mehr an. „Mit den
      Pferden passen wir da nicht durch! Wir werden absteigen und durch das
      Tor laufen müssen!“ hörte ich meine Mutter rufen. Kurz warf ich einen
      Blick nach hinten. Die Titanen waren uns dicht auf den Fersen. „Wenn das
      Tor bis dahin noch offen ist, dann ja!“ entgegnete ich Ihnen. Im
      Laufsprung stiegen wir von unseren Pferden und meine Mutter hatte gerade
      noch genug Zeit meinen Bruder vom Pferd zu hieven. Das Tor war schon zu
      ein Fünftel heruntergelassen und bald würde kaum noch mehr ein Mensch
      durchpassen, als uns ein Titan von der Seite angriff und damit den Weg
      blockierte. „Lauft ihr rein, ich lenke ihn ab!“ rief ich meiner Familie
      zu, wieder die Führung übernehmend. Der Titan, der aussah wie ein
      Mongoloid mit speckiger Statur und einem blonden Pisspottschnitt, kam
      direkt auf mich zu und wollte nach mir greifen. Ich entfernte mich von
      dem Tor und schlug mit der Ax nach dem Titan. Doch dieser gluckste nur
      amüsiert und versuchte weiterhin nach mir zu greifen. Plötzlich nahm mir
      jemand die Axt weg und ich sah geradewegs in die Augen meines Vaters:
      „Geh durchs Tor! Ich werde das machen! Du kannst ja noch nicht mal die
      Axt richtig halten!“. „Du Doof! Warum bist du zurückgekommen?!“ schrie
      ich ihn panisch an, während wir zusammen mit dem Titanen ein kleines
      Tänzchen aufführten, um diesem ausweichen zu können. „Ich lasse meine
      Tochter bestimmt nicht hier sterben und sehe dabei zu! Geh durch das
      Tor, ehe es zu ist!“ wiederholte er seine Forderung nochmal und schwang
      die Axt. „Aber…!“ wollte ich protestieren, wurde aber von ihm
      unterbrochen; „Tu einmal im Leben was man dir sagt!!“. Ich schluckte,
      versuchend die aufkeimenden Tränen zu unterdrücken: „Ist gut!“. „Ich bin
      Holzfäller, ich schaffe das schon!“ entgegnete er mir und wandte sich
      wieder dem Titanen zu, welchem mittlerweile ein paar Finger fehlten.
      >>Ich kann das schon, ich bin der Beste<<, so und nicht
      anders hatte ich diesen Mann mein Leben lang gekannt. Typisch Macho
      halt. Aber eben dieser Charakterzug war es, der diesen Mann zu dem
      machte, was er war. Ein Mann mit Selbstzweifeln, die er hinter
      vorgetäuschter Stärke zu vertuschen versuchte, ein Mann ohne Manieren,
      ein lauter Mann, aber auch ein Mann mit Herz. Er und ich wussten, dass
      er trotz dessen nicht wiederkommen würde. Da half ihm seine Arbeit als
      Holzfäller auch nicht viel. Dieser Satz war das Letzte, was ich von
      meinem Vater hören würde, ehe sich die Mauern für immer für ihn
      schließen würden. Ich würde meinen Vater niemals wiedersehen. Unter
      Tränen meine seelischen Qualen herausschreiend rannte ich zum Tor und
      schaffte es mich noch hindurch zu rollen, ehe sich dieses schloss und
      damit einen Manschen zurückließ, den ich mein Leben lang gehasst und bis
      zum bitteren Ende geliebt hatte.
      ~Cogitto ergo sum~


      Da mir angezeigt wurde, dass der Beitrag zu lang ist...

      Kapitel 2: Die perfekte Vaterfigur, Käse und der Aufklärungstrupp
      Spoiler anzeigen
      Schweigend
      saß ich neben meinem Bruder und meiner Mutter in der Lagerhalle, eine
      Decke um den Körper geschlungen. Meine Mutter betrauerte den Verlust
      ihres Mannes und auch Pascal weinte. Wütend stieß sie Flüche aus und
      beschimpfte den Titan, der sie so kurz vor dem Ziel noch aufgehalten
      hatte. Das Herz war mir schwer und meine Tränen hatte ich bereits
      vergossen. Die Vorstellung, was meinem Vater wohl passiert sein mag,
      schob ich beharrlich zur Seite. Um mich etwas abzulenken stand ich auf
      und streifte ein wenig durch das Flüchtlingslager. Ich sah mich nach
      bekannten Gesichtern um und hoffte in der Menge vielleicht Herrn Meyer
      mit seiner Frau zu finden, entdeckte allerdings den Sohn des berühmten
      Doktor Jäger mit seinen beiden Freunden. Ich lief Eren nicht oft über
      dem Weg, aber wenn dem so war, dann traf ich ihn meistens bei seinem
      Vater an. An unser erstes Kennenlernen erinnerte ich mich aber noch
      genau.

      „Na, das hast du aber gut gemacht!“ lobte mich der
      brünette Mann mit der Brille auf der Nase und streichelte mir einmal
      über den Kopf. „Das hat auch gar nicht wehgetan!“ erklärte ich dem
      Doktor mit vor stolz geschwellter Brust. „Na, wenn das so ist…! Nächste
      Woche kannst du wiederkommen, dann habe ich deine Blutwerte fertig!“
      erklärte mir der Doktor ruhig. Lächelnd hängte ich mich an seinem Arm:
      „Ich habe Sie lieb, Doktor Kriecher!“. Verwundert sah mich der Arzt an:
      „Doktor Grisha, wenn!“. Im Hintergrund konnte ich meine Mutter wütend
      „Doktor Jäger heißt das!“ flüstern hören. „Ich habe Sie lieb, Doktor
      Grisha Jäckel!“ versuchte ich es besser zu machen und grinste den Mann
      fröhlich dabei an. „Jäckel? Hahaha! Nein, mein Name ist Jäger!“ lachte
      der Brünette und streichelte mir wieder über den Kopf. Glücklich umarmte
      ich den Doktor fest. Für mich war Grisha Jäger so etwas wie ein
      Ersatzvater, da ich meinen richtigen Vater nie kennen gelernt hatte und
      mich mit meinem Vaterersatz nicht gut verstand. Den perfekten Vater
      stellte ich mir immer wie Grisha vor. „Komm, Genevieve, wir gehen!“
      holte mich meine Mutter von dem Arzt weg und zog mich in Richtung
      Zimmerausgang. In der Türe stand allerdings ein kleiner Junge, der nicht
      älter als drei Jahre sein hätte können und uns verstohlen beobachtete.
      „Das ist mein Sohn Eren!“ stellte Grisha uns den Jungen vor. Eren
      allerdings blieb weiter verschüchtert am Türrahmen hängen und fixierte
      mich aus seinen blaugrünen Augen. „Ach, wie süüüß!“ quietschte ich und
      rannte auf den Jungen zu, nur um ihn in eine kräftige Umarmung zu
      ziehen. Eren guckte erst ein wenig verdutzt und ein leichter Rotschimmer
      legte sich über seine Wangen. Dann fing er allerdings zu strampeln und
      zu weinen an, sodass ich ihn gezwungenermaßen loslassen musste. Grisha
      lachte nur, kam angelaufen und nahm seinen Sohn auf den Arm: „Nah, seit
      wann bist du denn so ängstlich? Bist du doch sonst nicht!“. Während
      Grisha und meine Mutter über Erens Mutter schwatzten, pirschte ich mich
      ganz langsam an den kleinen Eren heran, der mich nicht eine Sekunde aus
      den Augen ließ. „Bup!“ doch dann hatte ich ihn erwischt und ihm mit
      meinem Zeigefinger gegen die Nase gestupst. Erschrocken sah der Kleine
      mich an und auch die Eltern hatten aufgehört sich miteinander zu
      unterhalten. Sanft strich ich ihm mit dem Finger die Nase herauf und
      herunter, bis Eren kräftig nießte und alle lachen mussten. „Komm! wir
      gehen jetzt! Eren braucht sicher auch sein Mittagsschläfchen! Auf
      Wiedersehen, Doktor Jäger!“ verabschiedete sich meine Mutter und zog
      mich wieder weiter zur Türe. Grisha rief uns noch einen Abschiedsgruß
      nach, ehe wir seine Praxis verließen. „Warum kannst du nicht Doktor
      Grisha Jäger heiraten? Und Eren könnten wir auch gleich adoptieren! Noch
      ein kleines Brüderchen schadet ja nicht!“ wollte ich dann von meiner
      Mutter wissen, doch die konnte mir darauf keine Antwort geben.

      Einmal
      entdeckte ich ihn, als er von einer Prügelei heimkam, seine beiden
      Freunde im Schlepptau. Sein Blick hatte so etwas Aggressives an sich
      gehabt, dass ich mich nicht getraut hatte, ihn anzusprechen. Wortwechsel
      mit ihm waren wegen seiner Art deshalb eher selten. Doch jetzt nutzte
      ich die Gelegenheit, wo er Schutzlos ausgeliefert war und wahrscheinlich
      mit allem rechnete, nur nicht mit das, und stürzte mich direkt auf den
      Jungen, nur um ihn direkt durch zu knuddeln, „Eeeeeren! Du lebst noch?
      Wo ist dein Vater?!“. Eren zuckte erstmal zusammen, ehe er sich auch
      schon zu beschweren anfing, „He! Lass mich los! Ich weiß auch nicht wo
      mein Vater ist!“. Zur Strafe knuddelte ich ihn nur noch fester und
      stupste ihm mit dem Zeigefinger gegen die Nase, „Du bist noch der selbe
      Scheißer wie vor zwölf Jahren!“. Der brünette Junge wurde daraufhin ein
      wenig rot um die Nase, versuchte sich aber weiterhin aus meinem
      Würgegriff zu befreien, „Gar nich- HATSCHIE!!“. Augenblicklich musste
      Eren nießen und ich musste lachen, „Ja ne, ist klar!“. netterweise ließ
      ich den Jungen wieder los und richtete mich wieder auf, nur um in das
      verwirrte Gesicht des Blonden und in den angesäuerten Gesichtsausdruck
      der Schwarzhaarigen zu sehen. Wenn die schon mit zwei Jungs abhing, dann
      konnte sie ja nur in einen der beiden verliebt sein. Wer würde sowas
      sonst freiwillig mitmachen? Aber in dem Fall hatte sie Pech, denn ich
      würde mir Eren, wenn er alt genug und nicht mehr so aggro war, krallen
      und ihn dann heiraten. „Ach! Ihr Kinder lebt noch, das ist schön!“ hörte
      ich jemanden hinter mir sagen. Als ich mich umdrehte, erkannte ich
      Grisha Jäger. Er hatte überlebt, was für ein Glück. „Ja! Hannes hat uns
      gerettet, aber Mutter wurde von einem Titanen gefressen!“ erzählte Eren
      seinem Vater, die Hand vor Wut zur Faust geballt. „Ich habe meinen Vater
      auch verloren, aber mein Bruder und meine Mutter leben noch!“ fügte ich
      hinzu. Vielleicht war es fies sich darüber zu freuen, ich war ohnehin
      ein schlechter Mensch und wenn ich an meinen Vater dachte, dann fühlte
      ich mich sogar schuldig, aber nun, da beide Ehepartner nicht mehr
      existierten, konnten meine Mutter und Grisha endlich heiraten. Nicht,
      dass ich Radolf immer noch verachtete, aber Grisha war eben meine
      perfekte Vaterfigur. Doch als ich Grishas geschockten und traurigen
      Blick sah, taten mir meine Gedanken leid. Dieser Mann hatte seine Frau
      sicher geliebt. „Eren, kann ich dich kurz alleine sprechen?“ hörte ich
      ihn sagen und schon wurde Eren von uns Dreien weggezogen. Ziemlich
      verwirrt sah ich den beiden nach, als sie die Lagerhalle verließen. Da
      ich mit Erens Freunden nicht viel anfangen konnte, gesellte ich mich
      wieder zu meiner Familie.

      Nach und nach wurden alle
      Flüchtlinge verarztet und auf die neuen Äcker innerhalb Mauer Rose
      gebracht. Meine Familie und ich eigneten uns eher als Minenarbeiter,
      weswegen wir woanders stationiert wurden. Da sich aber zu viele Menschen
      auf zu wenig Territorium befanden, zog die Regierung diverse Männer
      ein, um eine Rückeroberung der Mauern zu starten. Nur hundert der über
      tausend Menschen kehrte wieder zurück. Wie deprimierend es war, wenn ich
      daran dachte, dass mein Vater spätestens dann hätte sein Leben lassen
      müssen. Mich hatte es nicht getroffn da ich weilich, noch jung und
      arbeitskräftig war. Trotzdem war eine Art Wut, gemischt mit Frustration
      zurückgeblieben. Er wäre auf jeden Fall gestorben, egal wie. Und das die
      Regierung diese Leute quasi umbringen ließ, war vielleicht ein
      notwendiges Übel, aber wenn ich an die Menschen dachte, die dem Tod so
      knapp entronnen waren und dann den Titanen wieder entgegentreten
      mussten… fühlte ich mich Ohnmächtig.

      „Pascal! Beeil dich mal
      ein wenig!“ trieb ich meinen Bruder zur Eile an. Wir waren spät dran
      und Mutter machte sich bestimmt schon Sorgen. Seit dem Vorfall in
      Shiganshina war sie übertrieben vorsichtig und überbesorgt geworden. Was
      war damals nochmal? Ich konnte mich nur noch daran erinnern, dass mein
      Vater dabei ums Leben kam und an einen Keller mit Weinfässern, wo wir
      uns ausgesprochen hatten. Ich hatte den Überfall der Titanen verdrängt.
      Es war eine Art Schutzreaktion. Nachdem ich mit meinen fünfzehn Jahren
      meine Familie durch dieses mit Titanen, Leichen und Blut gepflasterte
      Land hatte führen müssen, gesehen hatte wie brutal die Menschen von
      Titanen getötet wurden und ich mich so klein und hilflos wie noch nie im
      meinem Leben gefühlt hatte, nachdem ich meinen Vater verloren hatte und
      meine Familie weinen sah, nachdem die Menschen in den Kampf geschickt
      wurden; damit man sie loswurde, nach all dem fing ich an psychisch
      instabil zu werden und erlitt eine Dissoziative Amnesie. Für mich hatten
      die Titanen also nie existiert. Mein Bruder murrte nur und kam mit dem
      Holz im Gepäck hinter mir her getrottet. „Komm, wir müssen…!“ wollte ich
      meinen Bruder weiter antreiben, doch plötzlich wurden wir von einer
      Horde Soldaten auf Pferden überrascht, die durch das geöffnete Mauertor
      galoppiert kamen. Warum war das Tor denn offen? Und warum hatte ich das
      nicht bemerkt? So konnten doch die Tita-… Plötzlich zuckten schreckliche
      Bilder vor meinem inneren Auge auf. Riesengroße Monster, die sich über
      die fliehenden Menschen hermachten, Blut; das aus ihren Mündern tropfte,
      die panischen Schreie um mich herum. Krampfhaft verdrängte ich die
      Erinnerungen wieder. Reflexartig schubste ich meinen Bruder von der
      Straße und somit aus der Bahn der Soldaten. Um selber von der Straße zu
      hechten, hatte ich keine Zeit mehr und konnte nur noch zusehen, wie ich
      gleich mit den Soldaten kollabieren und unter deren Reittieren
      zertrampelt werden würde. Ich hörte meinen Bruder nach mir schreien,
      doch plötzlich wurde ich in die Lüfte gerissen und fand mich in den
      starken Armen eines jungen Mannes mit rabenschwarzen Haaren wieder.
      Dieser landete mit mir paar Meter weit von den Reitenden entfernt und
      setzte mich wieder ab. „Pass das nächste Mal besser auf!“ hörte ich den
      jungen Soldaten raunzen, der sich wieder herumdrehte und im Begriff war
      seinem Trupp zu folgen. „Öh, Danke!“ entgegnete ich ihm ein wenig
      verdutzt. Doch der kleinwüchsige Soldat, mit den Flügeln der Freiheit
      auf seiner Uniform, drehte sich nicht mehr zu mir herum, sondern
      verschwand wortlos. Mit seinem 3D-Manöver-Geer hatte er seine Leute bald
      eingeholt. Noch eine ganze Zeit lang starrte ich meinen Retter
      hinterher, ehe mich mein Bruder wieder in die Realität zurückholte.
      „Ginny, ist dir was passiert?!“ wollte Pascal sofort wissen und kam auf
      mich zu gerannt. „Ne! Der Drei-Käse-hoch hat mich gerettet…sonst wäre
      ich wohl jetzt Matsche!“ antwortete ich ihm und war immer noch sichtlich
      neben der Spur. Deswegen hatte ich auch nicht bemerkt, wie sich eine
      lange Menschengasse gebildet hatte, die nun lautstark über den
      Aufklärungstrupp herzog. Der Aufklärungstrupp erkundete die Welt
      außerhalb der Mauern, also das Titanengebiet, um Informationen über die
      Titanen zu bekommen und wie sich diese besiegen ließen. Eben diese
      Truppe stand einen Meter weit entfernt und musste sich nun der
      aufgebrachten Menschenmenge stellen. Schließlich kosteten Soldaten Geld,
      dass die Bürger in Form von Steuern absetzen mussten. Und da die
      Menschheit eh hinter den Mauern verrotten wollte, war für sie der
      Aufklärungstrupp nur herausgeschmissenes Geld. Ich konnte viele
      Verwundete entdecken und auch Leichenwagen waren mit dabei. Ob gewagt
      oder einfach nur töricht, diese Menschen taten etwas, was ich mir nie
      zutrauen würde. Weil, wer zog schon freiwillig ins Titanenland hinaus?
      Aber dafür bewunderte ich sie auch. Sie hatten Mut. Vor allem war es
      ziemlich niederschmetternd, wenn man immer wieder in den Kampf zog,
      seine Kameraden sterben sah und ohne Informationen wieder zurückkehrte.
      Zum Dank bekam man vom Volk noch eins auf den Deckel. „Komm Pascal!“
      wandte ich mich an meinen Bruder und zog diesen mit mir mit. So kämpfte
      ich mich durch die Menschenmassen, bis wir an der Stelle ankamen, an der
      der Aufklärungstrupp halt gemacht hatte. ER stand bei einem blonden
      hochgewachsenen Mann, mehr konnte ich nicht erkennen. „Bleibt stark,
      Aufklärungstruppe und Danke für deine Hilfe, schwarzhaariger Typ, dessen
      Namen ich nicht kenne!“ rief ich Ihnen zu und winkte, während mein
      Bruder sich hinter mir versteckte. Ihm war das Unwohlsein förmlich ins
      Gesicht geschrieben. Schließlich mochte der Großteil der Bevölkerung den
      Aufklärungstrupp nicht und da wir als Flüchtlinge eh nicht gerne hier
      gesehen waren, war die Chance uns so völlig unbeliebt zu machen dadurch
      gegeben. Der Schwarzhaarige sah sich kurz zu mir um, ehe er den Kopf
      wider wegdrehte, um sich auf das Gespräch vor ihm zu konzentrieren.
      „Komm, Ginny! Wir müssen jetzt nach Hause, sonst macht sich Mama wieder
      Sorgen um uns!“ hörte ich Pascal sagen, der mich kurzerhand gepackt
      hatte und vom Aufklärungstrupp wegzog. Zeternd stolperte ich hinter
      meinem Bruder her, der mich an der Hand weiterzog.

      Irgendwie
      bekam ich Käse, so hatte ich ihn heimlich getauft, nicht mehr aus dem
      Kopf. Es war zwar nur ein kurzer Moment gewesen, wo wir wirklich
      miteinander kommuniziert hatten, aber trotzdem hatte ich mich in den
      jungen Mann verliebt. Seine Art, sein Aussehen, alles an ihm war
      perfekt. Die nächsten Monate spukte er mir nur im Kopf herum und ich
      konnte mich kaum auf etwas anderes konzentrieren. Ich wollte seinen
      Namen wissen, was er für Hobbys hatte und ob er schon vergeben war. Dann
      fragte ich mich, ob ich ihm gefiel, was für einen Typ Frau er
      bevorzugte. Mit meiner blassen Haut, die ich meiner Arbeit in den Mienen
      zu verdanken hatte, den seltsam hellblauen Augen und meinen
      Straßenköter-blonden Haaren war ich nicht gerade der Hingucker. Zum
      Schluss stellte ich fest, dass wenn ich eine Antwort auf all meine
      Fragen haben und ihn näher kennenlernen wollte, musste ich schon einen
      Weg finden, wie ich möglichst unauffällig nah an ihn heran kam. und wo
      ging das besser als beim Aufklärungstrupp? Zuerst wollte ich mich als
      Reinigungskraft oder Küchenmädchen bewerben, um in den Aufklärungstrupp
      zu kommen. Doch das war mir dann…zu viel Arbeit. Auf diese Weise würde
      ich Käse vielleicht zu Gesicht bekommen, aber dann eher selten. Und
      weder kochte ich gerne für eine ganze Mannschaft, noch mochte ich
      sonderlich gerne putzen. Wenn es eins gab, was ich abgrundtief hasste,
      dann war Hausarbeit und PUTZEN!!! Diese Arbeit war sowas von undankbar.
      Ständig hatte einer was an der Sauberkeit zu auszusetzen und war man,
      nach STUNDEN endlich mit seiner Arbeit fertig, dann schaffte es
      irgendein Idiot mit seinen dreckigen Stiefeln wieder alles schmutzig zu
      machen. Also fielen diese Tätigkeiten für mich weg und damit die
      Möglichkeit längerfristig in den Aufklärungstrupp einzusteigen ohne
      diesem beitreten zu müssen. Beitreten wollte ich dem Trupp nicht. Aus
      den sicheren Mauern zu reiten und sich mit Titanen anzulegen war einfach
      nicht mein Ding. Außerdem war da noch etwas Wichtiges, an das ich mich
      partout nicht erinnern wollte. Also ließ ich es bleiben, beschloss aber
      Käse einen Liebesbrief zukommen zu lassen. Allerdings musste ich mich
      erstmal darüber informieren, wie der gute Mann richtig hieß. Wenn ich
      den Brief nämlich an Käse adressieren würde, dann käme der nie bei
      meinem Schwarm an. Heute sollte ich meine Chance dazu bekommen, da der
      Aufklärungstrupp wieder losgeritten war und bald Heim kommen würde…

      Wie
      immer versammelten sich wütende Menschen um den Aufklärungstrupp und
      der Kommandant, der mich herzlich wenig interessierte, wurde von den
      Leuten ausgequetscht und durch die Mangel gedreht. Wie immer waren auch
      wieder Menschen vor Ort, die sich nach ihren Geliebten erkundigen
      wollten, welche Soldaten im Aufklärungstrupp waren. Die Truppe war zwar
      malwieder stark reduziert worden, aber immerhin lebte Käse noch. Der
      stand nämlich wieder neben dem Kommandanten. „Hey Sie!“ sprach ich den
      Mann neben mir an und boxte ihn in die Rippen. Dieser reagierte
      daraufhin mit einem ziemlich ärgerlichen Gesichtsausdruck. Doch ehe er
      loszetern könnte, schnitt ich ihm das Wort ab: „Wie heißt der Doof mit
      dem Undercut?!“. Klar und deutlich zeigte ich auf Käse und hoffte eine
      Antwort zu bekommen. „Das ist der Hauptgefreite Levi! Warum interessiert
      dich das, du Göre?!“ bekam ich zur Antwort. Diesen unhöflichen Zusatz
      ignorierend, schließlich war ich alles andere als eine Göre, sah ich
      Levi weiter zu. Der Mann pöbelte zwar weiter, wurde aber von mir völlig
      ignoriert. Schlussendlich gab er es dann auf. Leewai war ein sehr
      seltsamer Name, aber vielleicht war der Mann ja Asiate. Und warum er der
      Hauptbefreite war, wollte ich auch einmal wissen. Bestand der
      Aufklärungstrupp denn nur aus lauter Knastis? Ich meine, Leewai sah
      schon so aus, als wenn er irgendwo einmal eingesessen hatte. Nicht nur
      seine Frisur, sondern seine ganze Art drückte das aus, da konnte er sich
      noch so fein anziehen. Trotzdem war er mein Mann und nun wusste ich
      auch seinen Namen. Glücklich sah ich zu, wie der Aufklärungstrupp sich
      auflöste und trottete dann wieder zur Arbeit zurück, schließlich war
      meine Pause bald beendet.

      Am späten Abend war meine Arbeit
      beendet und ich konnte mich endlich an meinen Liebesbrief setzen.
      Zusammen mit Bruder und Mutter kehrte ich Heim und während meine Mutter
      sich an die Hausarbeit machte, setzte ich mich an den kleinen
      Wohnzimmertisch und fing an zu schreiben.

      An meinen lieben Leewai!

      Auch
      wenn mir manchmal die richtigen Worte fehlen, soll dieser Brief doch
      all das aussagen, was ich für dich empfinde. Ich erfreue mich an dir, so
      wie du bist. Deine schwarzen Haare sind unheimlich schön.

      Ich
      liebe so sehr dein Gesicht an dir. Ich werde nie vergessen, wie Du mich
      das erste Mal angesehen und damit meinen Herzschlag zum Rasen gebracht
      hast. Du kannst gut Gefühle zeigen, das können nicht viele auch nur
      annähernd so gut, wie Du.

      Manchmal frage ich mich, wie kann man
      nur so extrem cool sein, wie Du? Ich kann Dich gar nicht oft genug
      sehen! Niemand ist so toll wie du, lieber Leewai. Nach all den Worten
      möchte ich dich noch fragen, ob du mit mir plaudern magst?

      In Liebe,
      Deine Anonym

      Zufrieden
      mit meinem Werk ließ ich den Griffel fallen und beschloss meiner Mutter
      ein wenig zu helfen. Morgen würde ich den Brief ans Hauptquartier des
      Aufklärungstrupps schicken.

      Levi saß gemütlich in seinem Sessel
      und gedachte ein wenig zu lesen. Die letzte Expedition hinter die Mauern
      hatte wieder keinen Erfolg gebracht, aber Dank Erwins
      Fernaufklärungsstrategie hatte es der Großteil ihrer Truppe wieder
      zurück geschafft. Trotzdem. Auch dieses Ergebnis war wieder
      niederschmetternd gewesen. Und mit der Rückeroberung der Mauer Maria
      kamen sie ebenso wenig voran. Die Bevölkerung war wütend und die
      Mitglieder des Aufklärungstrupps frustriert, weswegen der Schwarzhaarige
      sich jetzt ein wenig ablenken wollte. Doch plötzlich klopfte es an der
      Türe und ein Soldat betrat den Raum des Hauptgefreiten, in der Hand
      hielt er einen dicken Briefumschlag. „Wir sind zwar nicht sicher ob das
      Päckchen für Sie ist, aber als Absender hat >Hauptbefreiter<
      angegeben, deswegen vermute ich mal, dass er für Sie ist!“ erklärte der
      junge Rekrut, denn das musste er sein, wenn er Levi siezte, zumal Levi
      diesen Mann zuvor noch nicht gesehen hatte, und händigte ihm das
      Päckchen aus. Scheinbar fühlte sich der junge Soldat nicht ganz wohl in
      seiner Haut, denn er schwitzte und machte ein ziemlich betretenes
      Gesicht. „Piss dir nicht gleich in die Hosen!“ entgegnete der
      Schwarzhaarige und nahm den Umschlag entgegen. Der junge Mann schluckte,
      nickte nur und verließ hastig Levis Zimmer. Kurzerhand warf der
      Hauptgefreite einen Blick auf das Adressfeld. „Hauptbefreiter Leewai“
      konnte er als erstes entziffern und dann die Adresse des
      Aufklärungstrupps. Die Augenbraue des jungen Mannes wanderte nach oben:
      „Na, wenn ich mir die Adresse schon so angucke, dann kann der Schreiber
      nicht besonders gescheit sein!“.
      Da kein Absender angegeben war,
      öffnete Levi kurzerhand den Umschlag und holte als erstes ein
      zusammengefaltetes Stück Papier hervor. Nachdem der Schwarzhaarige den
      Brief gelesen hatte, wanderte dieser umgehend im Papiereimer. „So einen
      Scheiß liest man echt selten!“ kopfschüttelnd nahm Levi wieder sein Buch
      zur Hand, bis um auffiel, dass er den Umschlag noch auf seinem Tisch
      liegen lassen hatte. Also legte er seufzend sein Buch wieder weg und sah
      nach. Ein in Knäul aus Papier kam zum Vorschein, das Levi kurzerhand
      auswickelte. Zum Vorschein kam ein roter und länglicher Gegenstand, der
      mit Federn geschmückt war und an einen Glücksbringer erinnerte. An einer
      Seite war eine Kuhle eingelassen, in dieser sich eine Art weißes Pulver
      befand. Ein Glasdeckel verhinderte, dass das ganze Zeug hinausfiel.
      Kurzerhand stellte Levi den Umschlag auf dem Kopf, in der Hoffnung etwas
      zu finden, dass beschrieb was er mit dem Ding anfangen sollte und er
      hatte Glück. Ein kleiner Zettel fiel auf den Tisch.

      Ich habe
      dir einen Glücksbringer eingepackt. Der besteht aus Metallen und
      Mineralien, die man nur in den Bergminen findet. Deswegen ist dieses
      hübsche Stück Metall mehr als ein Glücksbringer, sondern kann auch, bei
      Kontakt mit dem Sonnenlicht, gut als Waffe gebraucht werden. Und
      Vorsicht, die Unterseite ist scharf.

      Tatsächlich befand sich
      an der unteren Seite des Glücksbringers eine Art Klinge, an der sich
      Levi beinahe geschnitten hätte. Ruhig schritt der Hauptgefreite an sein
      Fenster und hielt den kleinen Gegenstand ins Licht. Nichts passierte.
      Danach drehte er den Glücksbringer in den Händen. „Warum riecht es denn
      hier so angebrannt?!“ wollte Levi wissen, da ihm ein ziemlich strenger
      Geruch in die Nase stieg. Abrupt wandte er sich nach links und sah zu,
      wie sein Bett lichterloh brannte. „Was zum…!“ fluchend trat Levi die
      Flammen aus und versuchte so sein Bett davor zu bewahren ganz zu
      verkokeln. Die kleine Stichflamme, die der Glücksbringer ausgelöst
      hatte, breitete sich auf dem Holz ziemlich schnell aus. Als der
      Schwarzhaarige sein Bett vor weiteren Schaden bewahrt hatte, wollte er
      den Glücksbringer direkt hinter dem Schreiben dieser Anonym her in die
      Mülltonne verfrachten, überlegte es sich es aber dann doch anders. Auf
      diese Weise konnte man bestimmt den einen oder anderen Titanen erblinden
      lassen und das ohne großartig Waffen dafür verschwenden zu lassen, also
      steckte Levi den Glücksbringer doch ein. Anschließend widmete er sich
      wieder seinem Buch. Um das Bett brauchte er sich keine großen Gedanken
      machen, da er eh immer nur in seinem Sessel nächtigte.

      Irgendwie
      war ich immer noch nicht zufrieden. Da ich mein Päckchen anonym
      verschickt hatte, konnte ich auf eine Antwort von Levi lange warten.
      Außerdem sah ich den Aufklärungstrupp auch nicht mehr ausreiten. So
      bekam ich ihn auch nicht mehr zu Gesicht. Ich war deprimiert. Er war der
      erste Typ, in den ich mich richtig verliebt hatte und nun schien alles
      hoffnungslos zu sein. Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als dem
      Aufklärungstrupp beizutreten. Das hieß dann für mich drei Jahre meine
      Ausbildung beim Militär zu machen. Es gab ja wirklich nichts, was ich
      mehr hasste als Sport. Naja, putzen war schlimmer. Aber jeden Tag einen
      strammen Marsch hinzulegen, konnte ich mir wahrlich nicht vorstellen.
      Trotzdem! Was getan werden musste, das musste getan werden. Ich wollte
      Levi wiedersehen, ich wollte mit ihm sprechen und seine Anerkennung,
      damit er sich in mich verliebte. Dafür würde ich jeden Tag hundert
      Runden laufen und mein Zimmer säubern. Also hieß es jetzt: Achtung! Ich
      komme, Aufklärungstrupp.
      ~Cogitto ergo sum~


      Kapitel 3: Schönheit liegt im Auge des Betrachters
      Spoiler anzeigen

      Wenn
      sich meine Mutter sorgen machte, dann war es nie unberechtigt. Ihr
      beizubringen, dass ich mich für das Militär beworben habe, war die
      eine Sache, aber dann mit meinen Koffern tatsächlich aus der
      gemeinsamen Behausung zu spazieren, noch die andere. Clodia Freiburg
      hatte seit dem Vorfall von damals beträchtlich gelitten, dass sah
      man ihr einfach an. Sie war dünn geworden, ihre Augen wirkten
      eingefallen und stumpf. Ich wusste was ich meiner Mutter antat. Sie
      wollte nicht noch mehr Familie verlieren und die Chance, dass ich von
      einem Titanenausflug zurückkehrte war ziemlich gering. Natürlich
      hatte ich ihr nicht direkt auf die Nase gebunden, dass ich zum
      Aufklärungstrupp wollte, aber scheinbar konnte sie es sich schon
      denken. Mein Bruder hatte ihr berichtet, wie ich mit glänzenden
      Augen den Aufklärungstrupp beim Einreiten in die Stadt zugesehen
      hatte und sie war eben nicht dumm. „Mutter…! Ich weiß, dass ich
      vielleicht nicht mehr wiederkommen werde, aber…! Wenn es keine
      Leute gibt, die etwas gegen die Titanen unternehmen, dann werden wir
      bald alle sterben!“ versuchte ich auf sie einzureden, da sie mir
      nicht den Eindruck erweckte als wenn sie mich gehen lassen wollte.
      „Aber warum ausgerechnet du, meine eigene Tochter? Vor allem, wie
      weit wirst du kommen? Schließlich bist du auch nicht ganz gesund!“
      versuchte meine Mutter mich aufzuhalten, die Tränen standen ihr in
      den Augen. Es schmerzte. Ich wollte sie nicht verlassen und am
      wenigsten wollte ich ihr wehtun, aber mein Entschluss stand nun mal
      fest. „Was ich nicht sehe, kann ich hören und Titanen sind ja
      eigentlich nicht zu übersehen, da kommt mir meine
      überdurchschnittliche Hörfähigkeit gerade recht! Außerdem muss
      ich die Ausbildung erstmal bestehen und die wird echt hart werden!“
      gab ich ihr zur Antwort und raffte mein Gepäck, nur um an meiner
      Mutter vorbeizulaufen. Sie seufzte: „Ich hoffe für dich, dass du
      durch die Prüfung fällst!“. Ich grinste schief und winkte ihr zum
      Abschied nochmal zu: „Das werden wir ja dann sehen!“, ehe ich mit
      meinen Koffern bewaffnet das Haus verließ.

      Der
      Sammelplatz war groß und einige Holzhäuser waren die sehen, welche
      wohl die Karsernen für die einzelnen Jahrgänge sein sollten. Alles
      Neuen würden auf die vier Schlafhäuser aufgeteilt werden, der
      Essenssaal bestand sich auch in einer eigenen hütte, ebenso wie die
      Dusch und Baderäume, die jeweils in männlich und eiblich aufgeteilt
      waren. Diese drei Jahre würden echt schrecklich werden, dass wusste
      ich jetzt schon. Man hatte uns neuen Rekuten gezeigt, wie man
      anständig salutierte und danach in vier Gruppen verteilt, die sich
      aufgespaltet hatten. Nun machte Keith Shadis seine Aufwartung. Ein
      etwas älterer Jahrgang hatte mir schon von diesem Ausbildungsleiter
      erzählt und wie er zu Anfang mit Neulingen verfuhr. Leider hatte ich
      das Pech unter seiner Führung in die Klasse Süd zugeteilt worden zu
      sein. Der Mann sah aus, als hätte man ihm Säure in die Augen
      geschüttet, schrecklich. Die Frage aller Fragen war aber, was würde
      ich ihm antworten, wenn er mich nach dem Grund fragen würde,
      weswegen ich hier war? Shadis schien aber alle anderen ins Visier zu
      nehmen, außer mich. Allerdings bemerkte ich, wie er mir
      zwischendurch ein paar unsichere Blicke zuwarf. „Wie lautet dein
      Name?!“ erschrocken fuhr ich aus meinen Gedanken, scheinbar hatte
      es jetzt den Mann vor mir erwischt. „Taran Mandrake, Sir! Ich komme
      aus dem Bezirk Quinta innerhalb der Mauer Rose!“

      „Und
      warum bist du hier, Taran Mandrake?“

      „Ich
      will mein Land bis zum bitteren Ende meines Lebens gegen die Titanen
      verteidigen, Sir!“

      „Autsch!
      Da ist wohl jemand suizidgefährdet!“ ich hätte besser die Klappe
      gehalten, denn nun nahm der Ausbilder mich ins Visier. „Kehrtwende,
      Mandrake!“ ordnete er an und kam direkt vor mir zu stehen. „Und
      du bist?!“ wurde ich in Lautstärke gefragt, dass mir die Ohren
      beinahe klingelten. Sofort salutierte ich: „Genevieve DellÀcqua
      aus dem Bezirk Shiganshina, Sir!“. „So, DellÀcqua! Und warum
      bist du hier? Ich nehme mal an, dass du nicht vorhast bis zum
      bitteren Ende gegen unseren Feind, die Titanen zu kämpfen?“.

      „Eins
      nach dem Anderen! Ich glaube, das was im Moment erstmal bekämpft
      werden sollte, sind Ihre Augenringe!“

      „Meine
      Augenringe? Du hast doch selber welche!“

      „Meine
      sind schöner!“

      „Wir
      sind hier bei keinem Schönheitswettbewerb! Nenn mir deinen Grund
      oder geselle dich zu den Aussteigern, denn für Schönheit ist hier
      kein Platz!“

      Aufgrund
      der sich steigernden Lautstärke kniff ich die Augen zusammen. Der
      Mann schüchterte mich damit ziemlich ein, sodass ich den Drang
      verspürte mir die Ohren zuzuhalten und schnell Abstand zu nehmen.
      Trotzdem zwang ich mich weiter dazu die Haltung zu bewahren und ihm
      ordentlich schreiend Antwort zu geben: „Ich möchte meine Familie
      beschützen!“. „Als hübsches Titanenfutter kann man niemanden
      beschützen!“ kam sofort die Retourkutsche. „Nein! Aber als
      Titanenfutter lebt man nicht mehr, oder? Ich hab es geschafft meine
      Familie durch das von Titanen verseuchte Shiganshina und Mauer Maria
      zu führen. Während andere schreiend um ihr Leben gerannt sind, also
      wer ist hier das Futter? Ich bin der Jäger und der Feind ist meine
      Beute!!“. Shadis war baff. Sicher hatte er damit nicht gerechnet.
      Selbst die anderen Soldaten schauten sich zu uns um. Plötzlich fing
      der Ausbilder zu klatschen an: „So soll das sein! Nehmt euch alle
      ein Beispiel an DellÁcqua!“. Ich zog den Kopf ein, da ich gerade
      nicht wusste, ob er das jetzt ernst meinte oder nur den Sarkastischen
      heraushängen ließ. Momentmal, was hatte ich eigentlich mit meinen
      Eltern gemacht? Was hatte ich dem Ausbilder gerade erzählt? Die
      Worte verschwammen und grausame Bilder drängten sich in mein
      Gedächtnis. Ich hatte sie irgendwo hindurchgeführt. Aber wodurch?
      Durch...wieder tauchten diese Bilder vor meinem inneren Auge auf. Ich
      hielt mir den Kopf. NEIN, ich wollte mich nicht daran erinnern. Durch
      eine Schafsherde hatte ich sie geführt. Ja, das hatte ich.

      Anscheinend
      hatte Shadis keinen Bock mehr auf mich und pickte sich jetzt den
      nächsten heraus. „Du! Nenn mir deinen Namen!“ forderte der
      Ausbilder einen jungen Mann mit Bartwuchs und blonden,
      zusammengebundenen Haaren auf, sich vorzustellen. „Keith Schubert,
      Sir! Ich komme aus Trost!“ antwortete der Mann mit kräftiger
      Stimme und salutierte.

      „Wie
      heißt du?“

      “Keith
      Schubert, Sir!“

      Nicht
      nur der Ausbilder war verwirrt über diesen Namen, auch mir fiel
      direkt auf, dass Keith Schubert und Keith Shadis sich ziemlich
      ähnlich anhörten. Einige Rekuten kicherten sogar darüber. Mir fiel
      auf, dass Schubert und Mandake so ziemlich im selben Alter sein
      mussten. Beide waren definitiv älter als ich. Da mir dieser Mandrake
      jetzt geradewegs ins Gesicht sah, konnte ich erkennen, dass er
      dunkelbrünette kurze Haare mit einem gewölbten Pony trug und damit
      Leewai ziemlich ähnlich sah. Im Gegensatz zu Leewai, der blaugraue
      Augen hatten, waren Mandrakes aber stahlblau. „Gut, Schubert! Und
      warum bist du hier?“ setzte sich das Verhör inzwischen fort. „Ich
      will zur Militärpolizei!“ war die knappe Erwiederung. Danach hörte
      ich erstmal nicht zu, da ich damit beschäftigt war, Taran Mandrake
      vor mir, böse anzustarren. Dieser hatte nämlich angefangen mich
      sehr intensiv zu mustern und das mochte ich nicht. „Mikoto
      Aurora,...Sir!“ holte mich eine weibliche Stimme aus meiner
      Blickstarre. „Aurora, wie die Morgenröte! Was für ein hübscher
      Name, oder DellÀcqua?“ hörte ich Shadis sagen. Ich salutierte und
      verzog gekünzelt grinsend das Gesicht. Am liebsten hätte ich ihm
      allemöglichen Schimpfwörter an den Kopf geworfen, aber ich traute
      mich nicht. Schließlich ar der Kerl größer und stärker als ich
      und er gruselte mich. „Ach ja! Habe ich vergessen das zu sagen?
      Kehrtwende DellÁcqua! Und du, woher kommst du?!“ hörte ich Shadis
      sagen und sofort drehte ich mich herum. „Ich komme aus Ragako!“
      hörte ich das Mädchen, Mikoto sagen. „Lass dir nicht alles aus
      der Nase ziehen, Aurora! Warum bist du hier?“ ich konnte Shadis
      nicht sehen, aber ich vermutete, dass er gerade die Augen verdrehte.
      „Äh,...habe ich vergessen!“ kam doch tatsächlich als Antwort.
      Das Mädel hatte anscheinend auch Todessehnsucht, denn ich konnte
      kaum glauben, dass Shadis über diese Antwort erfreut sein würde.
      Ich traf mit meiner Vermutung ins Schwarze, denn kaum hatte ich das
      gedacht, hörte ich Mikoto schreien. Ich drehte mich ein wenig in die
      Richtung, um sehen zu können, was der Auslöser ihres Schreis
      gewesen war. Shadis hatte das Mädchen an ihren hüftlangen
      rabenschwarzen Haaren gepackt und hielt sie daran in die Lüfte. Mir
      wurde schlagartig schlecht, da ich nun erfuhr wie stark Shadis
      eigentlich war. Einen Menschen an einem Arm in die Lüfte zu halten,
      dass musste ihn einiges an Kraft kosten. Außerdem bekam ich so einen
      kleinen Einblick, was mich im Militärlager noch alles erwarten
      würde. Mikoto zappelte und verzog angestrengt das Gesicht.
      „Erinnerst du dich jetzt, Aurora?“ hörte ich den
      Ausbildungleiter, mit dem düstersten Blick aller Zeiten, fragen.
      „M-Meine Eltern haben...mich geschickt, weil...sie mich...nicht
      mehr ernähren konnten!“ presste die Schwarzhaarige mühevoll
      zwischen ihren Zähnen hervor, die Augen hatte sie vor Schmerz
      zugekniffen. „Ach so ist das! Deine eltern wollten sich loswerden,
      damit sie die wenig Nahrungselber fressen können!“ hörte ich
      Shadis mit düsterer Stimme sagen und sah aus den Augenwinkeln, wie
      er ein Schwert zog. Der wollte sie doch nicht... Einen kurzen
      Augenblick später hörte ich etwas zu Boden plumpsen. Schadis stand
      immer noch an Ort und stelle, nur hatte er schwarzes Haar in der
      Hand. „Deine Haare sind zu lang,
      Mikoto Aurora! Wenn du nicht als Titanenfutter enden willst, solltest
      du sie nicht länger als bis zur Brust tragen!“ hörte ich ihn
      sagen, die abgeschnittenen Haare landeten unbeachtet vor dem Mädchen
      auf dem Boden. Ich erstarrte. Zum Glück hatte ich meine Haare zu
      einem Haarknoten hinten im Nacken zusammengebunden, sodass er noch
      nicht bemerkt hatte, dass meine Haare genauso lang wie die von Mikoto
      waren. Ich liebte meine Haare. Diese würde ich auch fürs Militär
      nicht opfern. Der Ausbilder hatte von Mikoto abgelassen und nahm
      jetzt ein, zugegebenermaßen schüchtern wirkendes Mädchen unter
      Beschuss. Sie war hübsch, mit ihrem hellblonden Haar und den blauen
      Augen. Sie war zierlich und klein, wie eine kleine Elfe. Sie stelle
      sich, nicht ohne zu stottern, als Shuzette O´mara vor. Ab und zu
      warf ihr das Mädchen neben ihr Blicke zu und scharrte nervös mit
      den Füßen. Anscheinend gehörten die beiden zusammen und die Ältere
      versuchte gerade abzuwägen, wann sie eingreifen sollte. Sie sah aus
      wie die klassische Schönheit, mit hochgesteckten schwarzen Haaren
      und einer eleganten blassen Statur. Also Shuzette ganz in Panik
      geriet, weil sie auf die Frage „Warum bist du hier?“ nicht
      antworten konnte, tritt die Schwarzhaarige ein. „Wir sind aus
      unserem Dorf vertrieben worden, weil wir uns nicht lieben durften!
      Shuzette und ich hatten vor zur Militärpolizei zu gehen und unseren
      lieben Mitbewohnern so den Stinkefinger zu zeigen! Als
      Militärpolizisten werden sie uns wohl kaum angreifen! Ansonsten
      gehen wir zur Mauergarnison! Hauptsache wir sind zusammen!“ gab die
      Schönheit recht kühl zu verstehen, während Shadis sich ihr
      zugewandt hatte. „Ein lesbisches Pärchen? Was kommt denn noch? Ein
      Titanendoktor? Wir haben schon einen dummen Idealisten, eine
      Schönheitsfanatikerin, einen Schmarotzer und eine schwer Demente!
      Ich will nicht wissen, was ich heute noch so zu hören bekomme! Auf
      jeden Fall gebt ihr alle prächtiges Titanenfutter ab!“ hörte ich
      Shadis im Hintergrund sagen, während meine Gedanken gerade ganz
      woanders waren. Automatisch musste ich kichern, was der Ausbilder
      direkt gehört hatte und mich direkt aus meinen Gedanken riss: „Was
      gibt es da zu lachen, DellÀcqua?!“. Sofort hörte ich auf zu
      lachen: „Ich habe mir gerade Sie mit Mokotos Haarresten auf dem
      Kopf vorgestellt! Ich meine, daraus könnte man doch ein prima Topé
      machen!“.

      „Ein
      Topé? Meinst, du, ich habe das nötig?“ der Ausbilder war wieder
      zu mir bekommen und stand mir direkt gegenüber. „Bitte verstehen
      Sie das nicht falsch, ich bin keine Schönheitsfanatikerin!“
      versuchte ich mich mit rudernden Armen aus dieser unschönen
      Situation zu retten. „Ach, ist das so?!“ Shadis kam mir mit
      seinem Gesicht ziemlich nahe.

      „Es
      tut mir leid! Es ist nun mal so, dass Sie ziemlich hässlich sind!
      Keine Haare auf dem Kopf und dann diese Augen...als hätte man Säure
      draufgekippt!“

      „Meinst
      du, ich hätte nicht auch mal schön ausgesehen? Mit vollem Haar in
      in der Blüte meiner Jugend?!!“

      „Es
      tut mir ja leid, wähähä!!“

      „Der
      dient zur Abschreckung! Deswegen sieht er so aus!“

      Sowohl
      der Ausbildungsleitr als auch ich blickten in die Richtung, in die
      der Sprecher stehen musste. Es Keith Schubert gewesen, der sich
      eingemischt hatte und nun dreist eine Zigarette rauchte. „Das gibt
      fünfzig Runden um den Block! Fünzig für diese Unverschämtheit und
      fünfzig für die Fluppe in deinem Mund!“

      „Das
      sind dann aber hundert Runden, Sir!“

      „Richtig
      gerechnet, Schubert!“

      „Für
      ihr Alter sehen Sie aber noch ziemlich gut aus!“ versuchte ich es
      indessen mit einem aufmunternden Kompliment. Doch scheinbar kam das
      nicht so gut an, wie es eigentlich sollte, denn der Ausbilder presste
      die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und entgegnete: „Spar
      die die Schleimereien, DellÁcqua!“. Shadis beschäftigte sich
      nicht weiter mit mir und nahm stattdessen Schubert die Zigarette weg,
      ehe er sich den Rest der Truppe vorknöpfte.. Erleichtert atmete ich
      auf. Ich konnte von Glück reden, dass Schubert sich eingemischt
      hatte, denn hätte er es nicht getan, wären mir die fünfig Runden
      sicher gewesen. Auch tat mir der Ausbildungsleiter nun leid. Ich
      hätte nicht sagen sollen, dass er hässlich ist. Deswegen verhielt
      mich mich die ganze zeit über ziemlich still, ehe wir vom Platz
      gehen konnten, um unsere Zimmer zu beziehen. Mir und den anderen
      Mädchen wurde eine Blockhütte zugeteilt, die etwas weiter abseits
      stand. Als wir das Haus erreichten, staunten wir nicht schlecht. Wir
      waren nicht die ersten hier und das Haus war vollgestopft mit lauter
      Hochbetten. „Wo quartieren wir uns am besten ein?“ hörte ich
      Mikoto sagen, die jetzt einen flotten, aber dafür ziemlich schiefen,
      Kurzhaarschnitt hatte. „Ich will an die Wand, an irgendein Fenster
      und am liebsten unten, damit ich so besser an meine Sachen komme!“
      entgegenete ich und warf ihr einen ziemlich mitleidigen Blick zu. Die
      Frisur sah so grauenvoll aus. Zum Glück hatte ich meine Haare noch.
      Wenn ich mir mal überlegte, was ich mir da geleistet hatte, dann war
      ich echt glimpflich davongekommen. „Aber mal im Ernst! Shadis
      stehen meine Haare bestimmt nicht!“ lächelte mich das Mädchen mit
      den dunkelgrauen Augen an, in der Hand hielt sie die Überreste ihrer
      Haarpracht. „Nein, der sähe damit arg lächerlich aus! Aber besser
      wie keine Haare auf dem Kopf zu haben!“ entgegnete ich ihr
      grinsend. „Wollen wir uns ein Bett teilen?“ wollte sie wissen,
      während ich schon ein Bett in Augenschein genommen hatte, welches
      ich haben wollte. „Klar, wenn du oben schläfst!“ entgegnete ich
      ihr und ließ mich auf das auserwählte Bett sinken. „Okay, ich
      habe kein Problem damit oben zu schlafen!“ entgegnete Mikoto und
      kletterte auf das Bett über mir. „Dürfen wir uns zu euch
      gesellen?“ hörte ich jemand fragen und sah, wie das lesbische
      Pärchen auf uns zukam, das noch leeren bett neben uns in Beschlag
      nehmend. „Nur zu! Hier ist ja noch platz!“ entgegnete ich und sah
      zu, wie die Blonde auf das obere Bett kletterte. Ihre Freundin, als
      hätten sie sich abgesprochen, setzte sich auf das Bett darunter.
      Bestimmt waren nun sehr viele Männerherzen gebrochen, als sie
      erfahren hatten, dass diese Schönheit schon vergeben war. „Sagt
      mal! So wie ich das verstanden habe, kommt ihr doch eigentlich vom
      inneren Distrikt, oder? Warum geht ihr freiwillig und lasst euch zu
      Titanenfutter verarbeiten?“ fragend sah ich dabei die Untensitzende
      an. „Du hast es doch gehört!“ gab diese mir mit unterkühlter
      Stimmlage zu verstehen, „Niemand aus unserem Dorf hat unsere Liebe
      akzeptiert! Deswegen musste wir ins Militär flüchten!“. „Weißt
      du, Johanna und ich gehören beide Adelsfamilien an, die schon lange
      im Streit miteinander liegen! Es war uns sonst nicht möglich zu
      flüchten, weil sie uns immer wieder auflauern konnen!“ mischte
      sich die kleine Blonde ein, die es sich auf ihrem Bett gemütlich
      gemacht hatte. „Ja! Reiche Familien haben sehr viel Einfluss und
      aus diesen Mauern kann man nicht so einfach fliehen!“ fügte ich
      hinzu. „Und du bist hier, weil du deine Familie beschützen willst?
      Finde ich ja echt nobel!“ mischte sich Miktot ins Gespräch ein,
      von ihrem Bett auf mich herabschauend, sodass mir ihre Haare beinahe
      im Gesicht hingen.

      „Dieser
      Haarschnitt ist fürschterlich und nein, mein Ziel ist ein anderes!
      Aber das konnte ich ja schlecht vor dem Ausbilder kund tun!“

      „Und
      was für ein Ziel hast du?“

      „Ich
      will in den Aufklärungstrupp!“

      „Wo
      willst du hin???“

      „In
      den Aufklärungstrupp, du hast schon richtig gehört!“

      „Bist
      du blöd?“

      „Da
      gibt es einen, der heißt Leewai und in den bin ich verliebt! Ich
      will hin und ihn in mich verliebt machen!“

      „Du
      bist wirklich blöd!“

      „HEY!!“

      „Sorry,
      aber so einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört!“

      „Du
      meinst doch nicht etwa den Hauptgefreiten?“ mischte sich Johanna in
      das Streitgespräch zwischen mir und Mikoto ein. „Doch, den meine
      ich!“ schmollend verschränkte ich die arme vor der Brust. „Dieser
      abgebrochene Gartenzwerg? Na herzlichen Glückwünsch! In diesen
      Klotz bist du verliebt?“ entgegnete Johanna, die die Beine
      überschlagen hatte und mich mit einer Miene ansah, die ich
      eigentlich nur von Doktor Jäger kannte. „Mal ganz davon abgesehen,
      dass er der stärkste Kämpfer der Menschheit und damit ziemlich
      beliebt bei den Frauen ist!“ fügte Shuzette hinzu. „Er ist kein
      abgebrochener Gartenzwerg! Er ist wunderschön, seine Größe ist
      niedlich und er hat mich gerettet!“ verteidigte ich meinen Leewai,
      bis plötzlich die Türe aufgerissen wurde und einer der Ausbilder im
      Türrahmen stand. „Seit ihr bereit?“. „für was?!“ war meine
      direkte Gegenfrage. „Für eure erste Lektion!“ entgegnete der
      Ausbilder.
      ~Cogitto ergo sum~